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Freitag, 9. Oktober 2015

Was sagt die Bibel tatsächlich zur Sklaverei?

Kurzfassung: In Diskussionen hört man häufig das Argument, dass die Bibel Sklaverei gutheiße und sie deshalb unglaubwürdig sei, weil demnach das Ethos des aufgeklärten Menschen über jenem der Bibel stehe. Ich werde zunächst zeigen, dass die Bibel in manchen Fällen unter Sklaverei etwas ganz anderes versteht als unsere Gesellschaft und deshalb dieser Vergleich nicht standzuhalten vermag. Zweitens werde ich belegen, dass die heute gängige Vorstellung von Sklaverei vom Gott des Alten und Neuen Testaments abgelehnt und verboten wird.

Einleitung
Wenn wir heute von der Sklaverei sprechen, so denken wir zumeist an die afrikanischen Sklaven, die rechtlos in den Südstaaten Amerikas zum Arbeiten gezwungen ausgebeutet wurden. Wir kennen das Schicksal dieser Menschen, weil es uns in Biographien und Romanen beschrieben wird.
Ein solches Schicksal war auch im frühen Nahen Osten keine Seltenheit. Israel hatte eine Vergangenheit als Sklavenvolk in Ägypten, die ähnlich aussah. Sie waren rechtlos, hatten von früh bis spät zu arbeiten, bis der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs endlich Mose sandte, um das Volk aus dieser Lage zu befreien. Während die Sklavenhaltung im ganzen Nahen Osten ein Recht der Bevölkerung war, gab es in Israel ein Verbot, Menschen zu versklaven: „Wer einen Menschen raubt, sei es, dass er ihn verkauft oder dass man ihn noch in seiner Hand findet, der soll unbedingt sterben.“ (2. Mose 21,16) Dieses Verbot, das an wichtiger Stelle steht, nämlich direkt im Kapitel nach den Zehn Geboten, besagt, dass es den Israeliten verboten war, irgend einen Menschen unfreiwillig zum Sklaven zu machen. Sklaverei wie man sie im antiken Ägypten, Griechenland und Rom, oder auch im Süden der USA fand, war damit eindeutig als Menschenraub klassifiziert und ausdrücklich verboten.
Noch etwas krasser ist ein zweites Gebot, das im 5. Mosebuch steht: „Du sollst den Knecht, der sich von seinem Herrn weg zu dir gerettet hat, seinem Herrn nicht ausliefern. Er soll bei dir wohnen, in deiner Mitte, an dem Ort, den er erwählt in einem deiner Tore, wo es ihm gefällt, und du sollst ihn nicht bedrücken.“ (5. Mose 23, 16-17) Hier geht es um den Fall, dass ein Sklave von zu Hause weggelaufen ist. Er darf sich den Ort, wo er wohnen möchte, selbst aussuchen und weder seinem früheren Herrn ausgeliefert noch anderweitig unterdrückt werden.
Welch ein Unterschied zur Umwelt des Alten Orients. Dort war ein Sklave der Besitz des Sklavenhalters und durfte nach dessen Belieben misshandelt oder auch getötet werden. In Israel war auch ein Sklave ein Mensch mit eigener Würde, der sich seinen Herrn mehr oder weniger freiwillig selbst aussuchen konnte und im Zweifelsfall auch das Recht hatte, diesen zu wechseln.

Biblisch-Theologische Betrachtung
Gott hat den Menschen nach Seinem Bild geschaffen. Das verleiht jedem Menschen seine Würde und das Recht auf Leben und größtmögliche Freiheit. Der Mensch hat den Auftrag bekommen, die Erde zu bebauen, bevölkern, untersuchen, sich auszubreiten, Kultur zu schaffen.
Israel hatte schon früh eine schlechte Erfahrung in der Sklaverei gemacht. Ägypten war ihnen zum Verhängnis geworden, unterdrückten sie und zwangen sie zur Arbeit. Auf ihr Gebet und Schreien hin sandte Gott Mose als Befreier, der sie nach langem Hin und Her aus Ägypten in die Freiheit und das eigene Land – Israel – führte. Aus diesem Hintergrund muss die Diskussion um die Sklaverei betrachtet werden, damit sie verstanden werden kann.
Das Land sollte durch Josua ausgeteilt werden. Jede Familie bekam – entsprechend ihrer Größe – ein Stück des Landes, das sie in eigenständiger und verantwortlicher Weise bebauen und pflegen sollten. Eigenverantwortlichkeit bedeutet aber auch, dass es die Möglichkeit gibt, Fehler zu machen, falsche Entscheidungen zu treffen und den Gewalten der Natur ausgeliefert zu sein.
Deshalb gab es in Israel gleich von Beginn an eine Reihe von Gesetzen, die in einem solchen Fall das Zusammenleben und Überleben der Familien sichern sollte. Wenn eine Familie unter diesen Bedingungen in Schulden kam, konnte sie ihr Land für maximal 49 Jahre verpfänden und zusätzlich auch sich selbst für maximal sechs Jahre als Sklaven „vermieten“.
Nach 49 Jahren ging das Land automatisch wieder in den Besitz der ursprünglichen Familie über und die Schuldsklaven durften nach sechs Jahren wieder freikommen oder sich freiwillig für den Rest ihres Lebens verpflichten, ihrem Herrn als Sklaven weiter zu dienen. Wer sein Land noch nicht zurückbekommen hatte, konnte wohl kaum viel anderes machen als entweder bei seinem Herrn zu bleiben oder einen anderen Arbeitgeber zu suchen.
Hier greifen auch die Gesetze, die für die Sklaven in Israel galten. Der Sklavenhalter sollte mit seinen Sklaven gut umgehen, sodass sie gerne bei ihm blieben. Wenn sie unterdrückt wurden, durften sie fliehen und an einem anderen Ort einen anderen Herrn suchen, der besser für sie sorgte.
Wir sehen also, dass die Begriffe „Sklave“ und „Sklave sein“ in Israel viel weniger mit der Unterdrückung zu tun hatte als einfach mit Arbeit, die unter der Leitung und Autorität eines Anderen ausgeführt wurde.
So lässt sich auch besser verstehen, dass die weisen Männer dem König Rehabeam empfahlen: „Sie aber antworteten ihm so: Wenn du heute diesem Volk ein Knecht wirst und ihm dienst und auf es hörst und zu ihm gute Worte sprichst, so werden sie deine Knechte sein dein Leben lang!“ (1. Kön. 12,7) Hier soll sogar der König zum „Sklaven“ seines Volkes werden. Sie hatten Rehabeam gebeten, nicht so streng zu herrschen wie sein Vater, doch er schlug den Rat in den Wind.
Hiob zeigt uns, dass er verstanden hatte, dass der Sklave dieselbe Menschenwürde hat wie er selbst auch: „Wenn ich meinem Knecht oder meiner Magd das Recht verweigert hätte, als sie einen Rechtsstreit gegen mich hatten, was wollte ich tun, wenn Gott gegen mich aufträte; und wenn er mich zur Rede stellte, was wollte ich ihm antworten? Hat nicht der, der mich im Mutterleib bereitete, auch ihn gemacht? Hat nicht ein und derselbe uns im Mutterleib gebildet?“ (Hiob 31, 13 – 15)
Wenn man dies alles in Betracht zieht, so ergibt sich ein anderes Bild von dem, was die Bibel unter Sklaverei versteht. Dass Menschen unter der Autorität anderer Menschen arbeiten müssen, ist nicht optimal; es ist eine Folge des Sündenfalls, dass es falsche Entscheidungen und Naturkatastrophen gibt. Aber es gibt auch heute viele Menschen, die froh sind, dass sie nicht gänzlich selbständig arbeiten müssen, sondern eine geregelte Arbeit in einem geführten Unternehmen haben. Das gibt ihnen Sicherheit und auch eine Art der Freiheit.

Sklaverei im Neuen Testament
Bereits Hiob hatte entdeckt, dass ihn, den Reichen, den Freien, gar nicht so viel von einem Sklaven unterscheidet. Viel deutlicher wird das noch im Neuen Testament. Jesus Christus ist mit einer Botschaft für die Unterdrückten gekommen: „»Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat, den Armen frohe Botschaft zu verkünden; er hat mich gesandt, zu heilen, die zerbrochenen Herzens sind, Gefangenen Befreiung zu verkünden und den Blinden, daß sie wieder sehend werden, Zerschlagene in Freiheit zu setzen, um zu verkündigen das angenehme Jahr des Herrn.« Und er rollte die Buchrolle zusammen und gab sie dem Diener wieder und setzte sich, und aller Augen in der Synagoge waren auf ihn gerichtet. Er aber fing an, ihnen zu sagen: Heute ist diese Schrift erfüllt vor euren Ohren!“ (Lukas 4, 18 – 21)
In der Gemeinde wurden die Menschen zu Geschwistern im Glauben. So konnte Paulus an die Galater schreiben: „Nachdem aber der Glaube gekommen ist, sind wir nicht mehr unter dem Lehrmeister; denn ihr alle seid durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus; denn ihr alle, die ihr in Christus hinein getauft seid, ihr habt Christus angezogen. Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Knecht noch Freier, da ist weder Mann noch Frau; denn ihr seid alle einer in Christus Jesus.“ (Galater 3, 25 – 28) Natürlich gibt es auch heute noch Männer und Frauen, natürlich gibt es auch heute noch Juden und Nichtjuden, aber alle, die von Gott wiedergeboren wurden, sind Teil einer neuen Familie geworden, der Gemeinde.
Eine besondere Stellung nimmt hier auch der Brief von Paulus an Philemon ein. Paulus schrieb den Brief aus der Gefangenschaft in Rom an seinen Freund Philemon, weil der Sklave von Philemon, der Onesimus hieß, von Philemon weggelaufen war und nach Rom zu Paulus gekommen war. Paulus schickte nun den Onesimus wieder zu Philemon nach Hause und gab ihm einen Geleitbrief mit. Oft wirft man Paulus vor, er habe die Sklaverei befürwortet, weil er Onesimus zurückschickte. Wer aber den Brief liest, wird bald eines Besseren belehrt. Paulus schreibt ihm:
Ich bitte dich für mein Kind, das ich in meinen Fesseln gezeugt habe, Onesimus, der dir einst unnütz war, jetzt aber dir und mir nützlich ist. Ich sende ihn hiermit zurück; du aber nimm ihn auf wie mein eigenes Herz! Ich wollte ihn bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle diene in den Fesseln, die ich um des Evangeliums willen trage; aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun, damit deine Wohltat nicht gleichsam erzwungen, sondern freiwillig sei. Denn vielleicht ist er darum auf eine kurze Zeit von dir getrennt worden, damit du ihn auf ewig besitzen sollst, nicht mehr als einen Sklaven, sondern, was besser ist als ein Sklave, als einen geliebten Bruder, besonders für mich, wie viel mehr aber für dich, sowohl im Fleisch als auch im Herrn. Wenn du mich nun für einen hältst, der Gemeinschaft mit dir hat, so nimm ihn auf wie mich selbst.“ (Philemon 10 – 17)
Paulus macht seinem Freund Philemon klar, dass das Leben als Christ einen Unterschied machen soll. Deshalb soll er seinen frischgewonnenen Bruder Onesimus freilassen und wird in ihm bestimmt jemanden finden, der ihm noch länger (freiwillig) dienen wird. Paulus bezeichnete sich selbst an mehreren Stellen als ein „Sklave Christi“. Damit stellte er sich zum Einen in die lange Traditionslinien der Könige und Propheten im Alten Testament, die als Sklaven JHWHs bezeichnet wurden, zugleich zeigt er aber auch, dass das Leben als Christ mit einem deutlichen Bruch in der Biographie zu tun hat. Zugleich bedeutete der Eintritt in die Sklaverei jedoch den sozialen Tod. Wer „freiwillig“ zum Sklaven wurde, tat dies somit nicht ganz freiwillig. Vielmehr war es die Bereitschaft, den sozialen Tod auf sich zu nehmen, um dadurch dem körperlichen (Hunger-)Tod zu entgehen. In derselben Weise ist der Christ ein Sklave Christi geworden. Er ist bereit, sein bisheriges Leben hinter sich zu lassen, zu sterben, um dem ewigen, dem zweiten Tod zu entgehen und mit Christus zu auferstehen. Dies ist die symbolische Bedeutung, die Paulus der Taufe gibt: „Was wollen wir nun sagen? Sollen wir in der Sünde verharren, damit das Maß der Gnade voll werde? Das sei ferne! Wie sollten wir, die wir der Sünde gestorben sind, noch in ihr leben? Oder wißt ihr nicht, daß wir alle, die wir in Christus Jesus hinein getauft sind, in seinen Tod getauft sind? Wir sind also mit ihm begraben worden durch die Taufe in den Tod, damit, gleichwie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters aus den Toten auferweckt worden ist, so auch wir in einem neuen Leben wandeln. Denn wenn wir mit ihm einsgemacht und ihm gleich geworden sind in seinem Tod, so werden wir ihm auch in der Auferstehung gleich sein; wir wissen ja dieses, daß unser alter Mensch mitgekreuzigt worden ist, damit der Leib der Sünde außer Wirksamkeit gesetzt sei, so daß wir der Sünde nicht mehr dienen; denn wer gestorben ist, der ist von der Sünde freigesprochen. Wenn wir aber mit Christus gestorben sind, so glauben wir, daß wir auch mit ihm leben werden, da wir wissen, daß Christus, aus den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod herrscht nicht mehr über ihn.“ (Römer 6, 1 – 9) Im selben Kapitel fährt er fort und zieht die Parallele zur Sklaverei: „Wißt ihr nicht: Wem ihr euch als Sklaven hingebt, um ihm zu gehorchen, dessen Sklaven seid ihr und müßt ihm gehorchen, es sei der Sünde zum Tode, oder dem Gehorsam zur Gerechtigkeit? Gott aber sei Dank, daß ihr Sklaven der Sünde gewesen, nun aber von Herzen gehorsam geworden seid dem Vorbild der Lehre, das euch überliefert worden ist.“ (Römer 6, 16 – 17)
Doch dann stellte sich mit der Zeit auch die Frage: Was empfehlen wir einem gläubigen Sklaven, der einem ungläubigen Sklavenbesitzer gehört? In der Gemeinde ist er zu einem gleichwertigen Bruder geworden, aber bei seinem Besitzer gilt das nichts. Soll er gegen den Besitzer rebellieren? Soll er davonlaufen? Im römischen Reich galt ja das Gesetz von Israel nichts mehr; ein davongelaufener Sklave war vogelfrei, er hatte sein Leben verwirkt. Außerdem wäre der Rat zum Davonlaufen oder Rebellieren bald bekannt geworden und hätte ein weiteres Argument gegen das eh schon verhasste und verfolgte Christentum geliefert. So empfahl Petrus diesen Sklaven: „Ihr Hausknechte, ordnet euch in aller Furcht euren Herren unter, nicht nur den guten und milden, sondern auch den verkehrten! Denn das ist Gnade, wenn jemand aus Gewissenhaftigkeit gegenüber Gott Kränkungen erträgt, indem er zu Unrecht leidet. Denn was ist das für ein Ruhm, wenn ihr geduldig Schläge ertragt, weil ihr gesündigt habt? Wenn ihr aber für Gutestun leidet und es geduldig ertragt, das ist Gnade bei Gott. Denn dazu seid ihr berufen, weil auch Christus für uns gelitten und uns ein Vorbild hinterlassen hat, damit ihr seinen Fußstapfen nachfolgt.“ (1. Petrus 2, 18 – 21) Weil diese Sklaven die lebensverändernde Kraft der Gnade Gottes erlebt hatten, bekamen sie dadurch azch die Kraft, an ihrem Platz als römische Haussklaven für ihren Herrn Jesus zu leiden. Das war ein größeres und besseres Zeugnis für den Glauben. Wie wäre es, wenn wir uns für heute von dieser Mentalität auch ein gutes Stück abschneiden würden?

Abschließende Gedanken
Wir haben gesehen, dass die Bibel verschiedene Vorstellungen mit dem Begriff Sklaverei verbindet. Einerseits gibt es da tatsächlich die Sklaverei, wie sie in Ägypten, Babylon, Griechenland oder Rom praktiziert wurde. Gerade die eigene Erfahrung als ägyptisches Sklavenvolk dient zur Grundlage für die Gesetze, die dazu führen sollen, dass die „Chefs“ mit ihren Sklaven so gut umgehen, dass sie ihnen gerne freiwillig dienen.
Im Neuen Testament zeigt sich durchgehend die Haltung, dass gläubige Sklavenbesitzer ihre Sklaven mit Würde behandeln und möglichst auch freilassen sollen. Für Sklaven mit ungläubigen Besitzern gilt hingegen, diese durch gute Arbeit und die Kraft der Gnade Jesu von der tatsächlichen Wirksamkeit des Glaubens zu überzeugen. Wo Menschen treu sind und anderen gerne dienen, wird Gottes Liebe, Gnade und Kraft sichtbar.


Donnerstag, 16. April 2015

Die Lehre von der Bibel als PDF

Ich habe jetzt die Beiträge, die von der Lehre von der Bibel handeln, in einem kleinen PDF zusammengestellt, das hier heruntergeladen werden kann. Die Datei darf gerne verwendet und verlinkt werden, jede Weitergabe muss aber vollständig und unverändert erfolgen.

Inhaltsverzeichnis:
Die Frage nach der letzten Autorität 
Allgemeine Offenbarung: Die Schöpfung
Allgemeine Offenbarung: Das Gewissen
Spezielle Offenbarung: Die Bibel
Spezielle Offenbarung: Jesus Christus
Schöpfungsgeschichten im Vergleich
Heilsgeschichte: Der rote Faden durch die Bibel
Die Frage nach der Inspiration
Die Irrtumslosigkeit der Bibel
Die Schriften des Alten Testaments
Die Schriften des Neuen Testaments
Die Bibel lesen – ja, aber wie?

Montag, 30. März 2015

Die Bibel lesen – ja, aber wie?

Wenn wir Gott beim Wort nehmen wollen, so ist es wichtig, dass wir dieses Sein Wort auch gut kennen. Deshalb möchte ich das Thema Bibellesen ansprechen und dabei einige gute Tipps dazu geben.

Häufig hört man die Frage nach der richtigen Übersetzung. Es ist bei der Bibel wie bei jedem anderen Text so, dass man dasselbe auf verschiedene Arten übersetzen kann. Und bei jeder Übersetzung gibt es gewisse Schwierigkeiten: Wie genau soll sie sich an den Wortlaut halten? Wie frei darf sie sein? Mein Dozent für Bibelgriechisch sagte dazu immer: So genau wie möglich, so frei wie nötig. Das ist ein guter Grundsatz, aber auch er enthält wieder einen subjektiven Spielraum. Ich denke der wichtigste Grundsatz sollte der sein: Eine gelesene Bibel ist immer besser als eine, die verstaubt.

Häufig ist es noch besser, wenn man mehrere Übersetzungen verwendet. Seit meiner Zeit als Teenie habe ich mir angewöhnt, die Bibel jedes Jahr von vorne nach hinten zu lesen. Dabei habe ich etwa alle zwei Jahre die Übersetzung gewechselt. Zuerst eine Hoffnung für Alle, dann eine Luther1984, dann die Neue Elberfelder, dann kamen auch noch die hebräischen und griechischen Ausgaben der Bibel dazu, und seit mehreren Jahren bin ich jetzt bei der Schlachter2000 gelandet. Es macht Sinn, zuerst mit einer einfachen und damit nicht so ganz genauen Übersetzung anzufangen. So kann man das Niveau steigern und sich langsam an die wörtlicheren herantasten. Ebenfalls kann ich für den Einstieg die Gute Nachricht oder die Neue evangelistische Übersetzung empfehlen.

Wichtig ist, dass wir einen Termin haben, um die Bibel zu lesen. Eine feste Uhrzeit, bei mir ist das am besten am frühen Morgen gleich nach dem Aufwachen. Dann habe ich eine ganz wichtige Audienz beim König der Könige. Natürlich kann ich auch den ganzen Tag noch mit was anderem kommen, aber dieser eine Termin, der ist fix. Da darf mir nichts anderes dazwischen kommen, weil es nichts Wichtigeres gibt. Meine Erfahrung ist, dass es ohne einen solchen Termin einfach ständig hinausgeschoben wird und am Ende im Nirvana versandet. Aber wenn ich fähig sein soll, einen ganzen Tag in dieser Welt zu überstehen, dann brauche ich meine Supernahrung, meinen Zaubertrank. Es fängt also mit der Planung an. Ohne Planung geht es nicht.

Und dann kommt noch die Frage, wie man liest. Ich persönlich lese gern nach Plan. Dann muss ich mich nicht erst mit der Frage herumplagen „was ist denn heute dran“, sondern ich weiß einfach, dass genau das dran ist, was laut Plan eben heute dran ist. Bis Ende 2013 habe ich so jedes Jahr mit einem Jahresplan gelesen. Wenn man jeden Tag 3 – 4 Kapitel liest, so ist man in einem Jahr durch. Das ist eine sehr wertvolle Erfahrung. So lässt sich auch leichter zusehen, dass man eben alles liest und nicht nur ständig wieder dieselben Rosinen herauspickt. Hier gibt es eine ganze Auswahl von verschiedenen Bibelleseplänen. Seit dem letzten Sommer habe ich etwas Neues versucht: Jedes Buch der Bibel 20x am Stück lesen. Hier habe ich mehr dazu geschrieben.

Wir tun gut daran, das Lesen mit Gebet zu beginnen. Da bitten wir Gott darum, unser Herz für das vorzubereiten, was wir lesen werden. Wir tun es auch deshalb, weil wir wissen, dass Derselbe, welcher der eigentliche Hauptautor der Bibel ist, uns die Augen für den Inhalt öffnen kann. Genial ist: Der Inhalt der Bibel ist so tief, dass wir auch nach dem zweihundertsten Mal Lesen noch immer Neues entdecken können. Das ermutigt mich immer wieder, weiterzumachen und noch tiefer zu graben.

Mit dem Lesen ist es aber nicht vorbei. Gottes Wort will nicht nur gelesen werden, Gott will unsere Antwort auf das Gelesene. Er spricht zu uns ganz persönlich – mit jedem einzelnen Vers, den wir in Seinem Wort lesen. Wir dürfen über das Gelesene nachdenken und es für uns ganz persönlich nehmen. Ideal ist, wenn wir Gottes Wort Fragen stellen:

-Wer hat das gesagt?
-Zu wem hat er es gesagt?
-Was ist sein Ziel mit den Worten?
-Warum sagt er es genau so und nicht etwa ganz anders?
-Wie passt die Stelle, die ich grad lese, in das Kapitel und das Kapitel ins ganze Buch?

Nach diesen grundlegenden Fragen kommen im zweiten Schritt persönliche Fragen:
-Welche Situation kenne ich, die mit der gelesenen Stelle vergleichbar wäre?
-Wie hätte ich an der Stelle der Person gehandelt?
-Was wäre der richtige – von Gott gewollte – Umgang mit der Situation gewesen?
-Was kann ich machen, um mich bei der nächsten vergleichbaren Situation an das Gelesene zu erinnern?

Wenn wir den ersten Schritt überspringen und sofort nur nach der persönlichen Bedeutung fragen, dann haben wir ein Problem, nämlich dasjenige, dass wir ganz an Gott vorbei gehen. Zuerst müssen wir wissen, was damals passiert ist und in welcher Zeit es geschah, und erst dann können wir danach fragen, was Gottes Wort für unser Leben zu sagen hat.

Und auch damit ist der Prozess von Gottes Wort noch nicht abgeschlossen. Wir haben jetzt zwar verstanden, worum es geht, aber jetzt wird es richtig praktisch. Jetzt geht es nämlich darum, ein neues Verhalten zu lernen. Wir haben gesehen, in welcher Situation wir wie handeln sollten. Wir haben aber auch gesehen, dass wir häufig an dem vorbeileben, wie es eigentlich sein sollte. Jetzt kommt aber noch was ins Spiel. Jetzt bin ich nämlich mit meiner Sündhaftigkeit konfrontiert. Ich tue Dinge, die Gott nicht gefallen. Ich sündige. Ich brauche Vergebung. Ich bekenne Gott meine Sünden, und deshalb darf ich wissen, dass sie mir vergeben sind. Wo Gottes Wort zu uns spricht, da spricht es uns immer zuerst schuldig. Nicht nur einmal im Jahr. Nicht nur, wenn ein Evangelist predigt. Sondern immer, wenn wir es lesen. Es spricht uns schuldig. Es verlangt, dass wir Buße tun. Dass wir unsere Sünden bekennen:
Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, daß Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist. Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. (1. Johannes 1, 5 - 9)

Wenn wir das tun, so dürfen wir wissen: Er hat nicht mit uns gehandelt nach unseren Sünden und uns nicht vergolten nach unseren Missetaten. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so groß ist seine Gnade über denen, die ihn fürchten; so fern der Osten ist vom Westen, hat er unsere Übertretungen von uns entfernt. (Psalm 103, 10 - 12)

So können wir Gottes Wort lesen, uns selbst dabei besser kennenlernen und uns jeden Tag neu das wunderbare Evangelium von Jesus Christus predigen. Und Stück für Stück werden wir sehen, dass wir durch Gottes Gnade verändert werden. Wir werden feststellen, dass es nicht nötig ist, Gottes Wort als Moralin zu nehmen. Gottes Wort ist nicht dazu da, um das Gute, was in uns ist, zu verbessern und zu veredeln. Vom Guten ist nämlich nichts da. Es gibt nichts, was veredelt werden kann. Es kann nur die Sünde ausgerissen, ausgerottet, verbannt, weggeworfen werden. Deshalb dürfen wir jeden Tag Gottes Wort nehmen, lesen, betend darüber nachdenken, uns selbst das Evangelium predigen und uns durch Gottes gnädiges Handeln an uns verändern lassen.

Donnerstag, 12. März 2015

Die Schriften des Alten Testaments

Wenn wir vom Alten Testament sprechen, so meinen wir damit die Sammlung der folgenden 39 Bücher:
  • 5 Bücher des Gesetzes (1. - 5. Mose): Genesis, Exodus, Leviticus, Numeri, Deuteronomium.
  • 12 Bücher der Geschichte: Josua, Richter, Ruth, 1. und 2. Samuel, 1. und 2. Könige, 1. und 2. Chronik, Esra, Nehemia und Esther.
  • 5 Bücher der Weisheitsliteratur: Hiob, Psalmen, Sprüche, Prediger und Hoheslied.
  • 17 Bücher der Propheten: Jesaja, Jeremia, Klagelieder, Hesekiel, Daniel, Hosea, Joel, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja und Maleachi.
Diese Bücher zusammen machen das aus, was wir den Kanon des Alten Testaments nennen. Kanon ist ein griechisches Wort und bedeutet ungefähr soviel wie Schilfrohr. Das Schilfrohr wurde damals als Maßstab gebraucht. Deshalb kann der Begriff Kanon ungefähr so definiert werden:
Der Kanon ist die Gesamtmenge der Schriften, die nach eindeutigen Kriterien und Regeln zu einer bestimmten Sammlung dazugezählt werden können.“ (Definition von mir)

Jesus selbst hat den gesamten Kanon immer wieder zitiert. Er nannte die Sammlung „Das Gesetz des Mose, die Propheten und die Psalmen“ (vgl. Lukas 24, 44). Die Bücher der Geschichtsschreibung zählten als vordere Propheten, die oben genannten Propheten als hintere Propheten.

Die Sammlung der Schriften des Alten Testaments begann mit Mose. Die Zehn Worte, die Mose am Sinai bekommen hatte, waren sogar von Gott eigenhändig geschrieben: Und als er mit Mose auf dem Berg Sinai zu Ende geredet hatte, gab er ihm die beiden Tafeln des Zeugnisses, Tafeln aus Stein, beschrieben mit dem Finger Gottes. (2. Mose 31,18) Diese Tafeln mussten in der Bundeslade aufbewahrt werden: Zu jener Zeit sprach der Herr zu mir: Haue dir zwei steinerne Tafeln aus, so wie die ersten waren, und steige zu mir auf den Berg und mache dir eine hölzerne Lade, so will ich auf die Tafeln die Worte schreiben, die auf den ersten Tafeln waren, die du zerbrochen hast, und du sollst sie in die Lade legen! So machte ich eine Lade aus Akazienholz und hieb zwei steinerne Tafeln aus, wie die ersten waren, und stieg auf den Berg, und die zwei Tafeln waren in meinen Händen. Da schrieb er auf die Tafeln entsprechend der ersten Schrift die zehn Worte, die der Herr zu euch auf dem Berg gesprochen hatte, mitten aus dem Feuer, am Tag der Versammlung. Und der Herr gab sie mir. Und ich wandte mich und stieg vom Berg herab; und ich legte die Tafeln in die Lade, die ich gemacht hatte; und sie blieben dort, wie der Herr es mir geboten hatte. (5. Mose 10, 1 - 5)

Dieser Sammlung in der Bundeslade fügte Mose noch weitere Texte hinzu: Als nun Mose damit fertig war, die Worte dieses Gesetzes vollständig in ein Buch zu schreiben, da gebot er den Leviten, welche die Bundeslade des Herrn trugen, und sprach: Nehmt das Buch dieses Gesetzes und legt es neben die Bundeslade des Herrn, eures Gottes, damit es dort ein Zeuge gegen dich sei. Denn ich kenne deinen Ungehorsam und deine Halsstarrigkeit. Siehe, noch [bis] heute, während ich [noch] unter euch lebe, seid ihr ungehorsam gegen den Herrn gewesen; wieviel mehr nach meinem Tod! (5. Mose 31, 24 – 27) Das Buch des Gesetzes sind die 5 Mosebücher, zumindest bis kurz vor seinem Tod. Vermutlich wurden sie nach dem Tod Mose noch vervollständigt, da der Bericht über seinen Tod auch darin enthalten ist. Josua, der Mose als Leiter folgte, fügte weitere Teile hinzu (vgl. Josua 24, 26), ebenso auch einige weitere Könige, Priester und Propheten.

Für Jesus gab es interessanterweise nie eine Diskussion darüber, aus welchen Büchern Gottes Wort besteht. Er diskutierte zwar häufig über die Auslegung des Alten Testaments, aber nie über den Umfang. Das Neue Testament zitiert an hunderten von Stellen Texte aus dem Alten Testament, häufig mit der Einleitung, dass dies Worte Gottes sind, aber nirgendwo gibt es eine Stelle, an der die sogenannten apokryphen Bücher als Gottes Wort zitiert werden. Überhaupt wird nur an einer einzigen Stelle etwas aus den Apokryphen zitiert, und zwar im Judasbrief, wo Judas 14 – 15 das erste Henoch-Buch (60,8 und 1,9) zitiert. Doch ähnlich wie Paulus, der an zwei Stellen heidnische griechische Dichter zitiert (in der Apostelgeschichte 17, 28 und in Titus 1,12), werden diese Stellen nicht gebraucht, um etwas zu beweisen, sondern lediglich als Illustration.

Auch die frühe Kirche hat bis zur Zeit der Reformation die Apokryphen nie als inspirierten Teil der Bibel gesehen – bis zum Konzil von Trient im Jahre 1546. Auch die Kirchenväter haben die Apokryphen äußerst selten zitiert – im Gegensatz zu den kanonischen Büchern des Alten Testaments. Deshalb tun wir gut daran, sie nicht zur Bibel selbst hinzuzuzählen. Sie sind – so meinte bereits Martin Luther – erbaulich zu lesen, aber sie haben auf keinen Fall dieselbe Autorität wie die 39 oben genannten Bücher des Alten Testaments.

Ebenso haben die Apokryphen auch kein inneres Zeugnis, dass sie zu Gottes Wort gehören sollten. Weder haben sie ihren festen Platz innerhalb der Heilsgeschichte, noch behaupten sie von sich selbst, sie seien Gottes Wort – so wie das die Bibel tut.

Wenn man die Diskussion ein wenig zurückverfolgt, kann man auch unter den frühen jüdischen Schriftgelehrten ziemlich deutliche Übereinstimmung finden. Es gab so gut wie gar keine Diskussion darüber, ob die apokryphen Schriften dazuzuzählen seien – die Überzeugung war, dass sie es nicht sind. Vielmehr gab es höchstens ein paar Diskussionen zu den 39 Schriften des Kanons, und auch hier nur in wenigen Fällen. Etwa das Buch Esther (weil dort Gott überhaupt nie erwähnt wird) oder das freizügige Hohelied. Aber auch hier war schon sehr früh – bereits etwa 200 Jahre vor unserer Zeitrechnung – sehr klar, dass a. Die Apokryphen nicht dazu gehören und b. die 39 Bücher unseres heutigen Alten Testaments die echten, kanonischen Bücher sind, die Gottes Wort sind.

Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben von allem, durch ihn hat er auch die Welten geschaffen; dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft; er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. (Hebräer 1, 1 - 3)

Dienstag, 3. März 2015

Die Irrtumslosigkeit der Bibel


Wir haben bereits gesehen, was es bedeutet, dass die Bibel von Gott inspiriert ist. Jetzt geht es noch darum, dass sie in ihrer Inspiration vollkommen irrtumslos ist. Das betrifft die gesamte Bibel, Buch für Buch, Kapitel für Kapitel, Vers für Vers und Wort für Wort. Der Begriff Irrtumslosigkeit bedeutet, dass die Autographen (so nennt man die originalen Handschriften, die allerdings heute nicht mehr vorhanden sind) in den Originalsprachen keinen einzigen Fehler oder Irrtum enthalten.

Das Buch der Offenbarung hat als letztes Buch die gesamte biblische Offenbarung beendet. Deshalb heißt es dort: Fürwahr, ich bezeuge jedem, der die Worte der Weissagung dieses Buches hört: Wenn jemand etwas zu diesen Dingen hinzufügt, so wird Gott ihm die Plagen zufügen, von denen in diesem Buch geschrieben steht; und wenn jemand etwas wegnimmt von den Worten des Buches dieser Weissagung, so wird Gott wegnehmen seinen Teil vom Buch des Lebens und von der heiligen Stadt, und von den Dingen, die in diesem Buch geschrieben stehen. (Offenbarung 22, 18 – 19) Diese Worte des Herrn Jesus Christus müssen wir ernst nehmen – es steht viel auf dem Spiel!

Gerade weil die Bibel ja in dynamischer Weise inspiriert ist, haben die verschiedenen Autoren der biblischen Bücher auch unterschiedlich geschrieben. Der Evangelist Lukas war Arzt, weshalb seine Berichte auch wissenschaftlich viel exakter waren. Petrus, dessen Bericht von Markus aufgeschrieben wurde, war ein einfacher Fischer und hat aus der Sicht des einfachen Volkes geschrieben. So kommt der Charakter und die Persönlichkeit der einzelnen Autoren immer wieder zum Vorschein. Deshalb ist es auch kein Widerspruch gegen die Irrtumslosigkeit, wenn jemand schreibt, dass die Sonne auf- und untergehe. Das entspricht einfach dem, was die Menschen gesehen haben und ist deshalb korrekt.

Interessant ist, dass Jesus ganz viel aus dem Alten Testament zitiert und damit bestätigt hat. Ganz besonders oft waren das gerade die Berichte des Alten Testaments, die heute besonders unter Beschuss stehen:
- Schöpfung und Ehe (Matthäus 19,5)
- Sintflut und Arche Noah (Lukas 17,26-27)
- Sodom und Gomorrah (Lukas 17,28-29)
- Tyrus und Sidon (Matthäus 11,21-22)
- Die Beschneidung (Johannes 7,22)
- Das Passah (Matthäus 26,2)
- Das Gesetz (Johannes 7,19)
- Die Gebote (Matthäus 19,7-9)
- Der brennende Dornbusch (Markus 12,26)
- Jona und der Riesenfisch (Matthäus 12,40)
- Die Buße Ninives (Matthäus 12, 41)
- David, der Schaubrote aß (Matthäus 12,3)
- Die Dürre zur Zeit Elias (Lukas 4,25)
- Die eherne Schlange (Johannes 14-15)
und so weiter. Jesus hat also bestätigt, dass alle diese Begebenheiten, von denen das Alte Testament berichtet, vollkommen wahr sind.

Wir haben bereits gesehen, dass Gott die Persönlichkeit der einzelnen Autoren nicht ausgeschaltet hat, sondern jeder so schreiben lassen, wie es ihm entspricht. Das ändert nichts an der Irrtumslosigkeit der Bibel. Genau dasselbe gilt auch für verschiedene grammatikalische Konstruktionen, die manchmal auf den ersten Blick „falsch“ aussehen. In Wirklichkeit haben uns diese Konstruktionen eine ganze Menge zu sagen. So wird etwa dem Heiligen Geist (das hebräische Wort Ruach ist weiblich und bedeutet Wind, Atem, Hauch, Geist) manchmal ein Verb in der männlichen Form beigefügt. Dies ist kein Fehler, sondern fordert uns auf, danach zu suchen, was uns diese Konstruktion zu sagen hat.

Das bedeutet aber auch, dass wir aufgerufen sind, die Bibel als eine Sammlung vieler historischer Dokumente zu sehen, die uns auch in Bezug auf das, was sie erzählen, völlig zuverlässig sind. Die Bibel versucht nicht einfach, Unerklärliches zu erklären, sondern gibt uns vor, was korrekt ist. Sie sagt uns, dass alles einen Schöpfer hat, der die Naturgesetze geschaffen hat und immerzu dafür sorgt, dass wir uns auf jene verlassen können. Ein Naturgesetz wohnt nicht einfach „automatisch“ in einer Sache drin. Es muss erschaffen und erhalten werden. Ein Wissenschaftler, dessen Aufgabe es ist, die Realität zu sehen, zu betrachten, zu beschreiben und zu untersuchen, muss sich in dieser Hinsicht auf den Schöpfer verlassen – selbst wenn er dessen Existenz verleugnet.

Was passiert aber, wenn wir als Christen anfangen, die Irrtumslosigkeit der Bibel zu bezweifeln oder gar abzustreiten?

1) Wir bekommen ein Problem mit Gottes Charakter. Plötzlich ist Gott nicht mehr zuverlässig. Gott wird zum Lügner. Und wir müssen uns fragen: Wenn Gott ein Lügner ist, müssen wir als Gottes Nachahmer dann auch zu Lügnern werden?

2) Wir bekommen ein Problem mit der Frage, worauf wir uns verlassen können. Wenn die Bibel Irrtümer enthält, was ist dann der Maßstab dafür, um Irrtum von Wahrheit unterscheiden zu können? Es wird nicht nur alles subjektiv, sondern wir können damit auch gleich die ganze Bibel in die Tonne kloppen.

3) Wir bekommen ein Problem mit uns selbst. Am Ende kommt es nur noch auf uns selbst an – wir sind dazu verdammt, unser eigener Maßstab zu sein und uns ein Leben lang um uns selbst zu drehen. Jeder Mensch, der einigermaßen realistisch denkt, kann dies nur als Fluch sehen, da er weiß, wie wenig Verlass auf sich selbst ist.

Die Worte des Herrn sind reine Worte, in irdenem Tiegel geschmolzenes Silber, siebenmal geläutert. Du, o Herr, wirst sie bewahren, wirst sie behüten vor diesem Geschlecht ewiglich! Es laufen überall Gottlose herum, wenn die Niederträchtigkeit sich der Menschenkinder bemächtigt. (Psalm 12, 7 - 9)

Mittwoch, 25. Februar 2015

Die Frage nach der Inspiration

Paulus schreibt an Timotheus: Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und was dir zur Gewissheit geworden ist, da du weißt, von wem du es gelernt hast, und weil du von Kindheit an die heiligen Schriften kennst, welche die Kraft haben, dich weise zu machen zur Errettung durch den Glauben, der in Christus Jesus ist. Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet.“ (2. Timotheus 3, 14 - 17)

Alle Schrift ist von Gott eingegeben. Im griechischen Text steht da „theopneustos“, das heißt „gottgehaucht“. Die gesamte Bibel ist somit von Gott inspiriert. Doch was bedeutet nun genau dieses „inspiriert“? Darüber gibt es eine ganze Menge von Debatten, und es ist wichtig, dass wir uns mit der Frage nach der Inspiration beschäftigen. Bevor wir die verschiedenen Theorien zur Inspiration anschauen, zunächst ein Blick auf die wichtigsten weiteren Bibelstellen zum Thema:

Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet. (2. Petrus 1, 19 - 21)
Nachdem Gott in vergangenen Zeiten vielfältig und auf vielerlei Weise zu den Vätern geredet hat durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn. Ihn hat er eingesetzt zum Erben von allem, durch ihn hat er auch die Welten geschaffen; dieser ist die Ausstrahlung seiner Herrlichkeit und der Ausdruck seines Wesens und trägt alle Dinge durch das Wort seiner Kraft; er hat sich, nachdem er die Reinigung von unseren Sünden durch sich selbst vollbracht hat, zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt. (Hebräer 1, 1 - 3)

Auch von den Schriften des Neuen Testaments gilt, was die Autoren über die Bibel sagen. So zählt Petrus die Briefe von Paulus zu den heiligen Schriften hinzu: Und seht die Langmut unseres Herrn als [eure] Rettung an, wie auch unser geliebter Bruder Paulus euch geschrieben hat nach der ihm gegebenen Weisheit, so wie auch in allen Briefen, wo er von diesen Dingen spricht. In ihnen ist manches schwer zu verstehen, was die Unwissenden und Ungefestigten verdrehen, wie auch die übrigen Schriften, zu ihrem eigenen Verderben. (2. Petrus 3, 15 - 16)
Paulus macht dasselbe mit den Evangelien: Die Ältesten, die gut vorstehen, sollen doppelter Ehre wert geachtet werden, besonders die, welche im Wort und in der Lehre arbeiten. Denn die Schrift sagt: »Du sollst dem Ochsen nicht das Maul verbinden, wenn er drischt!«, und »Der Arbeiter ist seines Lohnes wert«. (1. Timotheus 5, 17 – 18) Hier zitiert Paulus das Lukasevangelium, nämlich Lukas 10, 7 und zählt es zur heiligen Schrift hinzu.

Und dann gibt es in der Bibel auch einige tausend direkte Zitate, in welchen Gott in direkter Rede zitiert wird. Schon nur wenn wir in der Konkordanz nach „spricht der Herr“ suchen, taucht dies 849x auf. Über 900x zusätzlich in der Vergangenheitsform: „sprach der Herr“. Und auch das Neue Testament enthält viele direkte Zitate Gottes – jedes Mal, wenn der Herr Jesus den Mund auftat, können wir sagen: So spricht der Herr.

Und nun stellt sich die Frage: Was genau bedeutet es, wenn wir sagen, dass die ganze Bibel von Gott inspiriert ist?

1. Diktattheorie
Die erste mögliche Theorie möchte ich „Diktattheorie“ nennen. Sie wird leider häufig mit dem Begriff „Verbalinspiration“ durcheinandergebracht. Die Diktattheorie besagt, dass die Autoren der Bibel Wort für Wort von Gott empfangen und Wort für Wort davon geschrieben haben. Damit wäre es wie in der Schule, wo der Lehrer einen Text vorliest und alle Schüler am Schluss genau diesen Text aufgeschrieben haben sollten. Damit hätte die Bibel nur Gott allein zum Autor. Diese Theorie versucht zwar, das Wort Gottes hoch zu halten, aber die Tatsache kommt dabei zu kurz, dass jeder Autor seinen eigenen Charakter, seine Sprache, seinen Wortgebrauch, und so weiter hat.

2. Liberale Theorien
Es gibt verschiedene liberale Theorien, die im Grunde besagen: Die Bibel enthält Gottes Worte und sie enthält daneben eine Menge Menschenworte, und der Theologe oder der Bibelleser muss versuchen, die Menschenworte davon zu eliminieren, damit am Ende das Wort Gottes übrig bleibt. Die Geschichte und die Erfahrung zeigen, dass jeder Versuch, so vorzugehen, am Ende immer dazu führt, dass man nur das in der Bibel finden kann, was man zuerst an sie herangetragen hat. So hat etwa die „Leben-Jesu-Forschung“ versucht, alle übernatürlichen Elemente aus dem Leben Jesu herauszudestillieren, doch am Ende blieb vom gesuchten „historischen Jesus“ nichts mehr übrig.

3. Existentialistische Theorie
Karl Barth, einer der wichtigsten Vertreter der existentialistischen Theologie, war der Meinung, dass die Bibel nicht per se Gottes Wort ist. Vielmehr war sie einst Gottes Wort (nämlich dann, als der jeweilige Autor sie aufgeschrieben hatte) und sie kann heute wieder zum Wort Gottes werden – aber erst durch die Predigt, erst dadurch, dass der Mensch von Gottes Wort persönlich angesprochen wird. Auch hier haben wir wieder das Problem, dass die Bibel dadurch viel zu wenig ernst genommen wird. Der Mensch wird ins Zentrum gerückt, Theologie wird zur Anthropologie (Lehre vom Menschen).

4. Personalinspiration
Diese Theorie kam vor allem im Zeitalter des Idealismus auf. Nicht die Bibel ist von Gott inspiriert, sondern die Autoren waren inspiriert, weil sie eine besondere Begegnung mit Gott hatten und deshalb ihr menschlicher Geist von Gott erfüllt und damit inspiriert war. Deshalb ist bei der Personalinspiration auch nicht alles, was die Autoren geschrieben haben, 1:1 von Gott inspiriert, sondern alles nur Menschenworte, die vom vergöttlichten Menschenverstand wiedergegeben wurden. Auch diese Theorie nimmt die Größe des Wunders der göttlichen Inspiration nicht ernst genug.

5. Realinspiration
Eine weitere Theorie nennt sich Realinspiration. Sie besagt, dass die Texte der Bibel nicht von Gott inspiriert sind und keinesfalls historisch echt sein müssen, aber die ethischen, sittlichen Themen, die seien von Gott inspiriert. Auch hier kann man dann die Themen frei nach Belieben herauspicken – die Bibel wird der totalen Beliebigkeit des Menschen unterworfen. Deshalb wird auch diese Theorie der Bibel nicht gerecht.

6. Dynamische Verbalinspiration
Die überzeugendste Theorie scheint mir jene zu sein, die ich dynamische Verbalinspiration nenne. Sie besagt, dass Gott verschiedene Menschen gebraucht hat und bei keinem von ihnen den Willen oder die Persönlichkeit ausgeschaltet, sondern im Gegenteil, in einem dynamischen Prozess gerade den verschiedenen Charakter der Autoren gebraucht, um sie am Ende alle zusammen die Bibel schreiben zu lassen, welche wir heute haben. Gott hat diesen dynamischen Prozess überwacht und dafür gesorgt, dass nicht nur alles Nötige in der Bibel zu finden ist, sondern auch dass nichts davon fehlt. Auf diese Weise ist die große Vielfalt, die wir in der Einheit der ganzen Bibel finden, auch ein Hinweis darauf, dass unser dreieiner Gott als der Drei-Eine Vielfalt in Einheit und Einheit in Vielfalt ist.

Freuet euch des HERRN, ihr Gerechten; die Frommen sollen ihn recht preisen. Danket dem HERRN mit Harfen; lobsinget ihm zum Psalter von zehn Saiten! Singet ihm ein neues Lied; spielt schön auf den Saiten mit fröhlichem Schall! Denn des HERRN Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiss. Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Güte des HERRN. Der Himmel ist durch das Wort des HERRN gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes. Er hält die Wasser des Meeres zusammen wie in einem Schlauch und sammelt in Kammern die Fluten. Alle Welt fürchte den HERRN, und vor ihm scheue sich alles, was auf dem Erdboden wohnet. Denn wenn er spricht, so geschieht's; wenn er gebietet, so steht's da. (Psalm 33, 1 – 9)

Sonntag, 8. Februar 2015

Heilsgeschichte: Der rote Faden durch die Bibel

Mein zweiter Grund für die vollkommene Vertrauenswürdigkeit der Bibel besteht darin, dass die Bibel, obwohl sie über den Zeitraum von etwa 1700 Jahren und von 40 Autoren geschrieben wurde, eine innere Einheit, einen roten Faden, hat. Sie ist die Geschichte von Gott mit der Menschheit. Somit ist sie zuerst einmal eine große Sammlung von vielen historischen Dokumenten, und zugleich ist sie das eine große historische Dokument, das uns von Gott als Schöpfer erzählt, von der ersten Menschheit, die mit Gott lebte, von der Abkehr der Menschen von Gott und davon, wie Gott immer wieder auf die Menschen zugegangen ist und ihnen Sein wunderbares Wesen gezeigt hat: Seine Heiligkeit, vor der der Mensch zittert und erschrickt. Seine Gerechtigkeit, die alles sieht und am Ende nichts ungestraft lassen wird. Seine Liebe, in der Er Selbst kommt, um unsere Schuld zu bezahlen. Seine Allmacht, die sich in den Wundern zeigt. Seine Allwissenheit, welche die gesamte Weltgeschichte steuert. Seine Allgegenwart, mit der Er den Menschen nahe ist, die Ihn suchen.

In diesem Zusammenhang ist das 1. Mosebuch unvorstellbar wichtig. Edith Schaeffer, die Frau des Evangelisten und Apologeten Francis A. Schaeffer, schreibt dazu: „Man muss mit dem ersten Buch Mose anfangen. „Am Anfang … Gott.“ Das bedeutet: Am Anfang steht eine Person – eine unbegrenzte Person zwar, aber eine Person. Am Anfang – Denken, Handeln, Fühlen, Lieben, Kommunikation, Idee, Entscheiden, Kreativität. Ja, am Anfang war dieser Gott, der den Menschen nach seinem Bilde schuf. Eine Persönlichkeit, die bereits existierte. Ein persönliches Universum, erschaffen von einer Person. Ein am Menschen ausgerichtetes Universum, von einer Person erschaffen. Ein Universum, in dem es Erfüllung für die Wünsche von Künstlern, Dichtern, Musikern, Landschaftsgärtnern gibt, weil es von einem Künstler, Dichter, Musiker und Landschaftsgärtner gemacht worden ist.“ (Schaeffer, Edith, Der Erste und der Letzte, S. 16f)

Wenn wir wissen wollen, was eine Person ist, dann müssen wir nicht zuerst Menschen anschauen und dann fragen: Hmm, ist Gott wie ein Mensch? Sondern wir schauen Gott an und erkennen da, was eine Person ist, und dann sehen wir, auf wie vielen Ebenen auch wir Menschen Personen sind.

Dann gehen wir wieder ins erste Mosebuch und schauen, was das Ziel und der Zweck, der Sinn unseres Lebens ist. Und da erkennen wir, dass es das Leben in der Gemeinschaft mit Gott und mit anderen Menschen ist, und dass wir einen Auftrag auf dieser Erde haben: Für sie zu sorgen, sie zu gebrauchen, sie zu studieren, sie zu bebauen, ihren Ertrag zu vermehren, und auch unser eigenes Leben zu vermehren. Gott hat uns so geschaffen, dass wir uns freuen können. Deshalb sind wir dazu gemacht, um uns an Gott und Seiner Schöpfung zu freuen. Jedes Mal, wenn wir uns über ein Gedicht oder ein Musikstück freuen, so können wir das nur, weil Gott uns mit der Fähigkeit zur Freude und Kreativität gemacht hat.

Doch leider blieb nicht alles beim Alten. Die Menschen rebellierten gegen Gott und wollten autonom werden, sie wollten selbst über Gut und Böse entscheiden und vertrauten darin Gott nicht. So sind sie der Sünde verfallen. Und bis auf den heutigen Tag gibt es (außer Jesus Christus) keinen einzigen Menschen, der so leben kann, wie es Gott gefällt. Deshalb beginnt die Heilsgeschichte. Der Mensch ist von Natur und von Geburt aus von Gott getrennt, sein Wesen ist böse, er ist ein Feind Gottes, bis zu dem Moment, in welchem er durch den Heiligen Geist wiedergeboren wurde.

Diese Wiedergeburt verspricht schon das Alte Testament auf viele verschiedene Arten und Weisen. Etwa Jeremia: Siehe, es kommen Tage, spricht der Herr, da ich mit dem Haus Israel und mit dem Haus Juda einen neuen Bund schließen werde; nicht wie der Bund, den ich mit ihren Vätern schloß an dem Tag, da ich sie bei der Hand ergriff, um sie aus dem Land Ägypten herauszuführen; denn sie haben meinen Bund gebrochen, obwohl ich doch ihr Eheherr war, spricht der Herr. Sondern das ist der Bund, den ich mit dem Haus Israel nach jenen Tagen schließen werde, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Innerstes hineinlegen und es auf ihre Herzen schreiben, und ich will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein. (Jeremia 31, 31 – 33)

Jeremia spricht von einem neuen Bund, einem neuen Herz. Vor dem Neuen Bund musste es zuerst einen Alten Bund geben. Gott hat mit dem Volk Israel, von dem das ganze Alte Testament berichtet, einen Bund geschlossen, bei dem Gott dem Volk zusagte, Er wolle ihr Gott sein und sie Sein Volk, wenn es Seinen Willen tun würde. Doch eines um das andere Mal ist das Volk Israel seinem Gott untreu geworden. Warum? Weil es ein neues Herz und einen neuen Geist braucht. Die Geschichte von Israel lehrt uns viel: Ohne neues Herz ist es unmöglich, Gottes Willen zu tun. Deshalb gab Gott dem Volk auch bestimmte Gebote, die mit Tieropfern zu tun hatten. Eigentlich hätte jeder Mensch, der einmal gegen Gott sündigte, sofort mit dem Tod bestraft werden müssen. Doch Gott gab die Möglichkeit, dass ein teures, speziell ausgewähltes und besonders schönes Tier an der Stelle der Person sterben konnte, die gesündigt hatte. Jedes Opfer war so eine Erinnerung daran, dass der Mensch eigentlich sein Leben verwirkt hatte.

Im Neuen Testament kommt Gott Selbst in Jesus Christus auf die Erde. Jesus Christus ist das perfekte Opfer für alle unsere Sünden. So heißt es im Hebräerbrief: Aufgrund dieses Willens sind wir geheiligt durch die Opferung des Leibes Jesu Christi, [und zwar] ein für allemal. Und jeder Priester steht da und verrichtet täglich den Gottesdienst und bringt oftmals dieselben Opfer dar, die doch niemals Sünden hinwegnehmen können; Er aber hat sich, nachdem er ein einziges Opfer für die Sünden dargebracht hat, das für immer gilt, zur Rechten Gottes gesetzt, und er wartet hinfort, bis seine Feinde als Schemel für seine Füße hingelegt werden. Denn mit einem einzigen Opfer hat er die für immer vollendet, welche geheiligt werden. Das bezeugt uns aber auch der Heilige Geist; denn nachdem zuvor gesagt worden ist: »Das ist der Bund, den ich mit ihnen schließen will nach diesen Tagen, spricht der Herr: Ich will meine Gesetze in ihre Herzen geben und sie in ihre Sinne schreiben«, sagt er auch: »An ihre Sünden und ihre Gesetzlosigkeiten will ich nicht mehr gedenken.« Wo aber Vergebung für diese ist, da gibt es kein Opfer mehr für Sünde. (Hebräer 10, 10 - 18)

Hier haben wir wieder das Zitat von Jeremia, und die Bestätigung, wie alles zusammen passt. Das Opfer von Tieren war im Alten Bund nötig, aber im Neuen Bund ist Jesus Christus das perfekte, einmalige Opfer für alle unsere Schuld. So sehen wir auch, dass die Schriften von 66 Büchern und von etwa 40 Autoren wunderbar zusammenpassen. Auch Paulus macht den Zusammenhang im Brief an die Korinther deutlich:

Denn die Liebe des Christus drängt uns, da wir von diesem überzeugt sind: Wenn einer für alle gestorben ist, so sind sie alle gestorben; und er ist deshalb für alle gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr für sich selbst leben, sondern für den, der für sie gestorben und auferstanden ist. So kennen wir denn von nun an niemand mehr nach dem Fleisch; wenn wir aber auch Christus nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch nicht mehr so. Darum: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, es ist alles neu geworden! Das alles aber [kommt] von Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus und uns den Dienst der Versöhnung gegeben hat; weil nämlich Gott in Christus war und die Welt mit sich selbst versöhnte, indem er ihnen ihre Sünden nicht anrechnete und das Wort der Versöhnung in uns legte. So sind wir nun Botschafter für Christus, und zwar so, daß Gott selbst durch uns ermahnt; so bitten wir nun stellvertretend für Christus: Laßt euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wußte, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm zur Gerechtigkeit Gottes würden.“ (2. Korinther 5, 14 - 21)

Freitag, 6. Februar 2015

Vertrauenswürdige Bibel: Schöpfungsgeschichten im Vergleich

Bevor wir uns den Fragen nach der Inspiration und der Irrtumslosigkeit der Bibel stellen, möchte ich zwei wichtige Gründe vorstellen, warum wir der Bibel vertrauen können. Ganz besonders wichtig ist dabei, dass wir den ersten Kapiteln der Bibel zu vertrauen lernen. Auf diesen ist die gesamte Bibel des Alten und Neuen Testaments aufgebaut. Wenn wir die ersten Kapitel der Bibel verwerfen, können wir auch den Rest inklusive der Bergpredigt gleich mit in die Tonne hauen. Dies hängt damit zusammen, dass uns diese ersten Kapitel die biblische Weltanschauung vermitteln, also die Augen schenken, mit denen wir den Rest der Bibel korrekt lesen und verstehen können. Hier finden wir Antworten auf die wichtigen Fragen im Leben: Woher komme ich? Wozu lebe ist? Wer bin ich? Was macht mich aus? Warum gibt es trotz dieser unbeschreiblichen Schönheit dennoch so viel Leid in der Welt? So wird vieles im Leben verdunkelt und unverständlich, wenn wir den ersten Teil der Bibel außen vor lassen.

Ich werde jetzt eine These aufstellen und für diese zu argumentieren versuchen. Meine These lautet:

Der ursprünglichste Bericht von der Schöpfung und der frühesten Zeit ist derjenige in 1. Mose 1 – 11 – andere ähnliche Berichte sind veränderte Versionen davon.

Häufig wird das abgestritten, indem man argumentiert, dass das 1. Buch Mose erst nach den sumerischen und babylonischen (beide im heutigen Gebiet des Irak) Versionen geschrieben worden sei, und wegen einiger Ähnlichkeiten die Autoren der Bibel bei diesen Versionen abgeschrieben worden sein müsse. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass alle Inhalte des 1. Mosebuches erst von Mose verfasst worden sein müssen. Vielmehr gibt es immer wieder Listen, die ein Hinweis darauf sind, dass sie schriftlich abgefasst und so über die Jahrhunderte und die Generationen ihren Weg zu Mose gefunden haben. So etwa in 1. Mose 5: „Dies ist das Buch der Geschichte von Adam: An dem Tag, als Gott den Menschen schuf, machte er ihn Gott ähnlich; als Mann und Frau schuf er sie; und er segnete sie und gab ihnen den Namen »Mensch«, an dem Tag, als er sie schuf. Und Adam war 130 Jahre alt, als er einen Sohn zeugte, ihm selbst gleich, nach seinem Bild, und er nannte ihn Seth.“ (1. Mose 5, 1 - 3)

Genau so, wie es von Anfang an eine Sprache gab, in welcher die Menschen miteinander aber auch mit Gott kommunizieren konnten, so wird es auch früh eine Schrift gegeben haben, mit welcher sie diese Berichte aufschreiben konnten. Die frühesten Teile der babylonischen Erzählungen stammen von 2400 v. Chr. Da ist es gut möglich, dass erste Listen und Berichte, die von Mose um ca. 1600 v. Chr. Zum 1. Mosebuch verarbeitet wurden, bereits 1000 Jahre vor den babylonischen und sumerischen Erzählungen vorhanden waren.

Noch eine Bemerkung am Rande: Es wird auch häufig behauptet, dass die Bibel zwei verschiedene Schöpfungsberichte beinhalte, die sich gegenseitig widersprechen würden. Das ist ganz einfach eine falsche Behauptung. Es gibt nur einen Schöpfungsbericht, der von 1. Mose 1, 1 – 2, 4 geht. Ab 1. Mose 2, 4 beginnt nicht ein zweiter Schöpfungsbericht, sondern es wird ein Ausschnitt aus dem Schöpfungsbericht, nämlich die Erschaffung des Menschen, „herangezoomt“ und detailreicher betrachtet.

Ich möchte meine obige These zu belegen versuchen, indem ich aufzeige, dass der Inhalt von 1. Mose 1 – 11 der Bericht ist, der die meisten Elemente enthält, die rund um den Erdball in den diversen Schöpfungsberichten zu finden sind. Meine These ergibt sich aus 1. Mose 11, als der Turm von Babel zur Sprachverwirrung und die Sprachverwirrung zur weltweiten Zerstreuung der Menschen geführt hat. Es ist nur logisch, dass dann jede Sprachgruppe die Grundlinien des biblischen Schöpfungsberichts übernommen und im Laufe der Jahrhunderte an ihre neue Umgebung angepasst hat.

Im Weiteren möchte ich zu verschiedenen Stichworten versuchen, meine These zu belegen. Es ist natürlich klar, dass dies nicht umfassend geschehen kann, da es hunderte von verschiedenen Schöpfungserzählungen gibt und man so auch zu viele Stichworte aufzählen müsste. Darüber könnte man nun ganze Bücher schreiben. Mein Ziel ist einfach die wichtigsten Stichworte des biblischen Berichts der Kapitel 1 – 11 im 1. Mose.

Schöpfung aus dem Nichts
Gleich zu Beginn etwas Interessantes: Weder die sumerischen noch die babylonischen Schöpfungsmythen (wie etwa das Gilgamesch-Epos oder das Atrahasis-Epos) kennen eine Schöpfung aus dem Nichts. Vielmehr gehen diese immer von einem Urmeer aus, welchem die ersten Götter entspringen. Wenn man jedoch in den fernen Osten schweift, so findet sich die Schöpfung aus dem Nichts etwa in Polynesien, wo der Gott Kiho vor der Schöpfung allein in der Leere lebte, oder im alten Indien in der Rigveda, die zu erzählen weiß, dass es am Anfang nur das Nichtsein (Nichtexistenz) gab. Die Bibel macht klar, dass am Anfang nur Gott war und dieser alles aus dem Nichts geschaffen hatte.

Schöpfung durch das Wort
Ähnlich wie in der Bibel, welche sagt, dass Gott sprach … und es geschah, gibt es in verschiedenen Kulturen eine Erschaffung durch das Wort. So soll es etwa nach indischer Erzählung der heilige Urklang „Om“ (langgezogenes Ohhhm) gewesen sein, durch den alles entstanden sei. Dieser Klang entsteht eigentlich aus dem zusammengezogenen Aum und wird auch heute noch vielfach als meditatives Mantra gebraucht.

Trennung von Himmel und Erde
Die Bibel sagt uns: „Und Gott sprach: Es werde eine Ausdehnung inmitten der Wasser, die bilde eine Scheidung zwischen den Wassern! Und Gott machte die Ausdehnung und schied das Wasser unter der Ausdehnung von dem Wasser über der Ausdehnung. Und es geschah so. Und Gott nannte die Ausdehnung Himmel. Und es wurde Abend, und es wurde Morgen: der zweite Tag.“ (1. Mose 1, 6 – 8) So trennte Gott die Himmel von der Erde. In ähnlicher Weise kennen viele andere Erzählungen eine Erschaffung durch das Trennen von Himmel und Erde. Bei den Maori in Neuseeland sind etwa Himmel und Erde zuerst in inniger Umarmung und halten sich so umschlungen und gebären viele Kinder (die dann zu Göttern der Maori werden). Da die Kinder wachsen und es ihnen zu eng wird, schieben sie einfach die Beiden auseinander, durch diese Trennung entstehen Himmel und Erde.

Gott als Handwerker
Die Bibel kennt eine ganze Vielzahl an Berufen, die Gott bei der Schöpfung ausgeübt hat: Schöpfer, Qualitätsmanager, Namensgeber, Konstrukteur, Dekorateur, Gärtner und Töpfer. Der altägyptische Gott Ptah heißt übersetzt schon „Der Bildner“ und hat nach der Legende die Menschen auf einer Töpferplatte aus Ton erschaffen. So haben wir auch hier wieder ein Element, welches die ägyptischen Legenden aus dem ursprünglichen Bericht des 1. Mosebuchs entnommen haben.

Der Sündenfall
Nicht nur in der Bibel gibt es einen Sündenfall, sondern auch in zahlreichen weiteren Kulturen. Häufig war der Sündenfall mit einer Sintflut verknüpft worden. So etwa bei den Maya in Mittelamerika. Die Flut kam, weil die Menschen den Göttern zu wenig Respekt entgegenbrachten und zu arrogant wurden.

Der Brudermord
Auch Kain und Abel sind bekannte Phänomene. Doch auch andere Kulturen kennen den Brudermord in ihren Legenden. So etwa in Ägypten, wo Osiris durch Seth ermordet wurde, indem er in einem mit Blei beschwerten Sarkophag in den Nil geworfen wurde. Auch im antiken Rom gab es eine solche Sage, nämlich dass die Gründer der Stadt Rom, Romulus und Remus, Kinder des römischen Kriegsgottes Mars und einer Priesterin waren. Die beiden gerieten in einen Streit darüber, nach wem von den beiden die Stadt benannt werden solle, und im Zorn erschlug Romulus seinen Bruder.

Die Sintflut
Wie bereits weiter oben erwähnt, gibt es in vielen Teilen der Welt Flutgeschichten. Diese haben einige Gemeinsamkeiten: Die Menschheit wird böse, es braucht eine Rückkehr zur ursprünglichen Schöpfung, was durch eine Flut ermöglicht wird, die den bösen Teil der Menschheit erfasst. Und dann gibt es einen Helden im Zentrum der Flutgeschichte, der die Flut überlebt und zur Basis einer neuen Menschheit wird. Dieser Aufbau findet sich nicht nur in 1. Mose, sondern auch etwa in den sumerischen und babylonischen Schriften (wie etwa dem Gilgamesch-Epos, Atrahasis-Epos, etc.), aber selbst unter den Inuit findet sich die Erzählung von der Flut.

Der Turmbau zu Babel
Auch die Erzählung vom Turmbau findet sich in anderen Kulturen wieder. So etwa auch im sumerischen Umfeld, wo es ebenfalls um ein Bauwerk – einen Tempel – und im Gefolge dessen um die Sprachverwirrung geht.

So sehen wir, dass es sehr gute Gründe gibt, davon auszugehen, dass die Berichte der Bibel ursprünglich sind und deshalb auch der Wahrheit Gottes entsprechen.

Wie habe ich dein Gesetz so lieb! Ich sinne darüber nach den ganzen Tag. Deine Gebote machen mich weiser als meine Feinde, denn sie sind ewiglich mein Teil. Ich bin verständiger geworden als alle meine Lehrer, denn über deine Zeugnisse sinne ich nach. Ich bin einsichtiger als die Alten, denn ich achte auf deine Befehle. Ich halte meine Füße fern von jedem bösen Weg, damit ich dein Wort befolge. Von deinen Bestimmungen bin ich nicht abgewichen, denn du hast mich gelehrt. Wie süß ist dein Wort meinem Gaumen, mehr als Honig meinem Mund! Von deinen Befehlen werde ich verständig; darum hasse ich jeden Pfad der Lüge. (Psalm 119, 97 - 104)

Mittwoch, 21. Januar 2015

Spezielle Offenbarung: Die Bibel

Wer mehr über Gott wissen will als was er in der Natur und durch sein Gewissen beobachten kann, wird nicht um die Bibel herumkommen. Sie ist die Art, wie Gott Sich entschieden hat, Sich Selbst uns Menschen zu offenbaren. Martin Luther hat festgestellt: „Wenn du Gnade willst erreichen, so arbeite darauf hin, dass du das Wort Gottes sowohl gespannt hörst, als auch dich mit Freude daran erinnerst: Das Wort, sage ich, und allein das Wort ist das Gefährt der Gnade Gottes.“ (übersetzt nach: Luther, Martin, Weimarer Ausgabe, Bd. 2, S. 509) Was Luther hier sagt, ist ungefähr Folgendes: Ohne die Bibel ist es unmöglich, Gott als gnädigen Gott kennenzulernen.

Werfen wir einen kurzen Blick zurück: Die allgemeine Offenbarung in der ganzen Schöpfung und im menschlichen Gewissen kann uns im besten Fall sagen, dass Gott sehr mächtig, sehr gut, sehr perfekt, moralisch viel besser als wir ist und dass wir selbst immer wieder hinter dem Standard dieses großen Gottes weit zurückbleiben. Und jetzt geht es um die Frage, wie der Mensch zum Wissen gelangen kann, wie er vor diesem Gott am leben bleiben kann. Und hierauf gibt Martin Luther die richtige Antwort: Das Wort, die Bibel allein, ist das Gefährt der Gnade Gottes.

Der Apostel Paulus schreibt dazu: Alle Schrift ist von Gott eingegeben und nützlich zur Belehrung, zur Überführung, zur Zurechtweisung, zur Erziehung in der Gerechtigkeit, damit der Mensch Gottes ganz zubereitet sei, zu jedem guten Werk völlig ausgerüstet. (2. Timotheus 3,16 – 17) Was es genau bedeutet, dass die ganze Bibel von Gott eingegeben (inspiriert) ist, wird noch im Detail an anderer Stelle zu erläutern sein. Der Apostel Petrus bestätigt die Aussage von Paulus: Und so halten wir nun fest an dem völlig gewissen prophetischen Wort, und ihr tut gut daran, darauf zu achten als auf ein Licht, das an einem dunklen Ort scheint, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. Dabei sollt ihr vor allem das erkennen, daß keine Weissagung der Schrift von eigenmächtiger Deutung ist. Denn niemals wurde eine Weissagung durch menschlichen Willen hervorgebracht, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben die heiligen Menschen Gottes geredet. (2. Petrus 1, 19 - 21)

Gott hat Sich entschieden, zu Seiner Ehre die Sprache und Schrift zum Gefährt der Gnade zu machen. Er hat das Buch gewählt, um Sein Wort zu übertragen. Das Buch hat einen Anfang und ein Ende und besteht aus vielen Abertausenden von Zeichen, die man zu Sätzen zusammensetzen kann und die dadurch einen verständlichen, klaren Inhalt haben. Die Bibel ist nicht einfach ein Buch neben anderen. Sie ist nicht einfach nur der absolute Weltbestseller, sondern sie ist das nötige Werkzeug, das wir brauchen, wenn wir Frieden mit Gott bekommen wollen. Sie ist eine Bibliothek von 66 einzelnen Büchern, die jedoch alle zusammen ein ganzes Buch ausmachen. Weit über 1000 Jahre sind zwischen den früheren und den späteren Schriften – und dennoch hat das ganze Buch eine große, eine einzigartige Geschichte zu erzählen. Es ist die Geschichte von Gottes Heilshandeln an der Welt und insbesondere an der Menschheit.

Das erste Buch beginnt mit der geschichtlichen Beschreibung der gesamten Schöpfung, das letzte Buch endet mit der Warnung davor, dass nichts Neues mehr hinzugefügt werden darf. Das Buch ist somit ein für alle Male abgeschlossen. Alles, was danach gesagt wird, muss sich daran messen lassen, ob es mit dem Inhalt der Bibel übereinstimmt oder nicht. Dass manche Leute die Bibel deshalb ablehnen, weil ihre Autorität aus ihr selbst abgeleitet werden kann, ändert nichts daran. Wir werden noch sehen, dass es genügend Gründe gibt, die auch aus externen Kriterien für die Bibel sprechen. Aber das ist jetzt nicht das Thema, das kommt erst noch.

Was ganz wichtig, dass wir daran festhalten, ist die Klarheit der Bibel. Sie ist verständlich, sie kann kapiert und korrekt wiedergegeben werden. Mose sagte zum Beispiel zum Volk Israel: Und diese Worte, die ich dir heute gebiete, sollst du auf dem Herzen tragen, und du sollst sie deinen Kindern einschärfen und davon reden, wenn du in deinem Haus sitzt oder auf dem Weg gehst, wenn du dich niederlegst und wenn du aufstehst. (5. Mose 6, 6 – 7) Das setzt voraus, dass man zuerst verstanden hat, was diese Worte überhaupt sind. Somit sind Gottes Worte einfach, klar, verständlich und brauchen keine langwierigen Zerstückelungen und Neudefinitionen. Sie müssen auch nicht an unsere Zeit angepasst oder abgeändert werden. Sie sind weder „archaisch“ noch „patriarchalisch“ noch frauenfeindlich noch sonst etwas Ähnliches. Deshalb brauchen wir an ihnen auch nicht zu zweifeln. So heißt es auch in den Psalmen: Das Gesetz des Herrn ist vollkommen, es erquickt die Seele; das Zeugnis des Herrn ist zuverlässig, es macht den Unverständigen weise. Die Befehle des Herrn sind richtig, sie erfreuen das Herz; das Gebot des Herrn ist lauter, es erleuchtet die Augen. (Psalm 19, 8 – 9)

Wenn wir das Neue Testament lesen, so finden wir dort etwas Ähnliches. Jesus hat an gar keiner Stelle gesagt, dass etwas von Gottes Wort kompliziert sei. Er hat immer – egal zu wem Er gesprochen hat – auf Gottes Wort zurückgegriffen und es als selbstverständlich vorausgesetzt. Er ging sogar so weit, einmal zu sagen: Heilige sie in deiner Wahrheit! Dein Wort ist Wahrheit. (Johannes 17, 17) Das war ein Gebet an Gott Vater. Er sagte nicht: Dein Wort enthält Wahrheit oder Dein Wort ist wahr, aber man muss es zuerst richtig interpretieren. Er sagte einfach: Dein Wort IST Wahrheit. Punkt.

Jetzt kommt aber die Frage auf: Warum gibt es denn trotzdem Missverständnisse? Ja, das müssen wir zugeben, es gibt immer wieder Missverständnisse. Auch als Kinder Gottes sind wir davor nicht automatisch geschützt. Es gibt zum Beispiel Missverständnisse, wenn wir bestimmte Teile der Bibel als höherwertig anschauen und andere dadurch weglassen. Als Paulus sich kurz vor seiner Gefangennahme noch einmal mit den Ältesten der Gemeinde in Ephesus traf, sagte er ihnen, dass er ihnen den ganzen Ratschluss Gottes gelehrt habe. Wenn wir etwa wie Marcion im zweiten Jahrhundert das Alte Testament ablehnen (oder es auch nur als minderwertig im Vergleich zum Neuen Testament sehen), so werden wir auf manche Missverständnisse hereinfallen. Marcion ging so weit, zu sagen, dass der Gott Israels ein böser Gott sei, der mit dem Gott des NT im Streit stehe. So weit gehen heute wohl die wenigsten (aber auch das habe ich heute schon gesehen), aber viele Menschen fallen darauf herein, dass sie sagen, dass Gott im AT ein zorniger und im NT ein liebender Gott sei. Beides ist falsch. Gott ist immer Gott und verändert sich nicht. Auch die Erlösung verändert an Gott nichts. Sie verändert nur unsere Möglichkeit, mit Gott wieder ins Reine kommen zu können. Wir sehen also, dass es gefährlich ist, nur einen kleinen Teil der Bibel zu kennen oder diesen zu überbetonen.

Und dann gibt es noch eine zweite Art von Missverständnissen. Es gibt nämlich tatsächlich Lehren, die nicht ganz einfach zu verstehen sind. So etwa die Lehre von den Letzten Dingen (Eschatologie nennt man das). Über die Dinge, die noch ausstehen von der Bibel und deren Reihenfolge zum Beispiel gibt es ganz viele verschiedene Sichtweisen. Mir sind etwa 20 verschiedene Modelle bekannt, vermutlich gibt es noch mehr. Das ist ein Thema, das wertvoll ist, sich damit zu beschäftigen, aber es wird vermutlich auch in den nächsten Jahren keine allgemeine Übereinstimmung geben. Muss es auch nicht, wichtig ist, dass man sich davon nicht dazu verleiten lässt, dass das Thema deshalb egal sei.

Die Bibel ist klar und verständlich. Das soll eine Ermutigung an uns alle sein, sie zu lesen und sich mit ihr auseinander zu setzen. Keiner wird damit bis ganz ans Ende kommen und alle Fragen verstehen, aber wichtig ist, dass wir ein Leben lang in ihr forschen, lesen und uns täglich neu von ihr begeistern lassen.

Wie wird ein junger Mann seinen Weg unsträflich gehen? Indem er ihn bewahrt nach deinem Wort! Von ganzem Herzen suche ich dich; lass mich nicht abirren von deinen Geboten! Ich bewahre dein Wort in meinem Herzen, damit ich nicht gegen dich sündige. Gelobt seist du, o Herr! Lehre mich deine Anweisungen. Mit meinen Lippen verkünde ich alle Bestimmungen deines Mundes. Ich freue mich an dem Weg, den deine Zeugnisse weisen, wie über lauter Reichtümer. Ich will über deine Befehle nachsinnen und auf deine Pfade achten. Ich habe meine Lust an deinen Anweisungen; dein Wort vergesse ich nicht. (Psalm 119, 9 - 16)