Posts mit dem Label Evangelium werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Evangelium werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 27. November 2016

Richard Dawkins und das Problem des Glaub-o-Meters

Im zweiten Kapitel seines Buches „Der Gotteswahn“ stellt Dawkins ein interessantes Tool vor, mit dem er meint, er könne jeden Menschen irgendwo in eine Schublade stecken. Es handelt sich hierbei um ein Werkzeug, das ich mal um der Einfachheit halber als „Glaub-o-Meter“ bezeichnen möchte. Der Glaub-o-Meter versucht, das ganze Spektrum des Glaubens abzudecken. Ich betone bewusst, er versucht. Wir werden gleich auf dessen Probleme zu sprechen kommen.

Zunächst ein paar grundlegende Gedanken. Atheisten, und ganz besonders auch die fundamentalistischen, aggressiv missionarischen Atheisten wie Richard Dawkins, nutzen häufig mehrere Definitionen für das Wort „Glauben“ und switchen während eines Gesprächs oder eines Kapitels im Buch zwischen diesen verschiedenen Definitionen. Das eigentlichere Problem ist seine Weigerung, den Glauben in seinem Buch klar zu definieren. Mal vergleicht er den Glauben mit der Verliebtheit (S. 309), ein andermal muss er ein Lexikon zitieren (den Eintrag für „delusion“, den Teil des Titels, der mit „Wahn“ übersetzt wird) und meint dazu, dass die Definition „dauerhafte falsche Vorstellung, die trotz starker entgegengesetzter Belege aufrechterhalten wird“ (S. 19) eine gute Definition für den Glauben sei. Alles in allem lässt sich sagen, dass er der Definition von Peter Boghossian mit größter Wahrscheinlichkeit zustimmen würde, welcher seinen Jüngern im „Manual for Creating Atheists“ empfiehlt, für das Wort Glauben immer „behaupten, Dinge zu wissen, die man nicht weiß“ einzusetzen.

Kommen wir also zum Glaub-o-Meter: Dawkins versucht hier, wie bereits gesagt, das ganze Spektrum des Glaubens vom Unglauben bis zum Wissen abzudecken. Hierfür will er sieben Abstufungen entdeckt haben:



1. Stark theistisch. Gotteswahrscheinlichkeit 100 Prozent. Oder in den Worten von C. G. Jung : »Ich glaube nicht, ich weiß.«
2. Sehr hohe Wahrscheinlichkeit knapp unter 100 Prozent. Defacto theistisch. »Ich kann es nicht sicher wissen, aber ich glaube fest an Gott und führe mein Leben unter der Annahme, dass es ihn gibt.«
3. Höher als 50 Prozent, aber nicht besonders hoch. Fachsprachlich: agnostisch mit Neigung zum Theismus. »Ich bin unsicher, aber ich neige dazu, an Gott zu glauben.«
4. Genau 50 Prozent. Völlig unparteiischer Agnostizismus. »Gottes Existenz und Nichtexistenz sind genau gleich wahrscheinlich.«
5. Unter 50 Prozent, aber nicht sehr niedrig. Fachsprachlich: agnostisch mit Neigung zum Atheismus. »Ich weiß nicht, ob Gott existiert, aber ich bin eher skeptisch.«
6. Sehr geringe Wahrscheinlichkeit, knapp über null. Defacto atheistisch. »Ich kann es nicht sicher wissen, aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass Gott existiert,  und führe mein Leben unter der Annahme, dass es ihn nicht gibt.«
7. Stark atheistisch. »Ich weiß, dass es keinen Gott gibt, und bin davon ebenso überzeugt, wie Jung ›weiß‹, dass es ihn gibt.«“ (S. 85f.) 

Sich selbst teilt Dawkins in dieser Liste bei der Nummer 6 ein, bei den de-facto-Atheisten, die sich am Ende immer noch ein Schlupfloch und ein kleines Argument für ihre Toleranz offenhalten wollen.

Wo stehen aber nun Christen? Wenn wir nach den Definitionen von Dawkins gehen wollen, ist überhaupt das ganze biblische Christentum außerhalb dieser Liste anzusiedeln. Obige Liste mag für nichtchristliche Theisten gelten, aber da echte Christen ein biblisches Glaubensverständnis haben, lassen sie sich nicht in eine Schublade, die von Äpfeln bis zu Birnen reicht, einteilen. Und genau da liegt Dawkins' Problem. Er arbeitet häufig über die Grenzen seines Berufes hinaus, was an und für sich nicht verwerflich ist. Aber dann sollte man sich mit den Definitionen und Argumenten beschäftigen, die in diesen Gebieten viel mehr Erfahrung haben. Philosophisch und theologisch arbeitet Dawkins erstaunlich schwach.

In seinem früheren Buch, Das egoistische Gen, liefert Dawkins auch eine Definition für den Glauben. Er schreibt dort: „Ein weiteres Glied des zur Religion gehörigen Memkomplexes heißt Glaube. Dieser bedeutet blindes Vertrauen – Vertrauen ohne Beweise und sogar den Beweisen zum Trotz.“ (S. 305) Diese Definition zeigt, dass er sich im Gebiet der Theologie bewegt, ohne sich überhaupt mit ihr ernsthaft beschäftigen zu wollen. Die Definition stammt von ihm, und es wird wohl sehr wenige Menschen geben, die sich Christen nennen und mit dieser Definition ihres Glaubens einverstanden wären. Der Glaube, so meint Dawkins, ist einfach ein Gedankengebilde, das mehr oder weniger zufällig entstanden ist („Mem“ ist eine Wortneuschöpfung von ihm und bewusst als eine Parallele zum „Gen“ gehalten), sich dann immer raffinierter weiterentwickelt (auch dies als Parallele zum egoistischen Gen, das alles tut, um möglichst viele Generationen zu überleben), aber jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, wo die Vernunft über diese Meme (und die Gene) triumphieren solle.

Interessant ist dabei auch, dass Dawkins immer wieder den Glauben den Gewissheiten gegenüberstellt, welche öffentlich anerkannt und somit unumstößlich gelten. Kein ernsthafter Wissenschaftler käme jemals auf die Idee, dass irgendeine Theorie seines Fachs unumstößlich sei. Im Zeitalter der beiden Relativitätstheorien, der Quantenphysik, der Heisenbergschen Unschärferelation, des Gödelschen Unvollständigkeitssatzes und der Chaostheorie bleibt am Ende oft mehr Zweifel als Gewissheit. Inzwischen sind alle Theorien Newtons überholt – und doch lernt jeder Schüler immer noch diese falschen Theorien.

Dabei sollte man allerdings nicht vergessen, dass Dawkins – besonders im Buch Das egoistische Gen selbst ein Evangelium predigt: Mit einer Schöpfungslehre, einem Sündenfall, einer Heilsgeschichte und nicht zuletzt einer Erlösung. Seine Geschichte beginnt in der Ursuppe, in welcher sich zahlreiche freie Atome befinden, die sich immer wieder zusammensetzen und so verschiedene Aminosäuren bilden. Irgendwann bildet sich durch reinen Zufall auf diese Weise eine Replikatorsubstanz – eine Aminosäure, welche die Eigenschaft besitzt, Kopien ihrer selbst herzustellen. Auf diese Weise sei das Gen entstanden, welches nun versucht, unsterblich zu werden. Es bildet immer komplexere Gestalten, die das Überleben des Erbgutes sichern sollen. So ist der Körper eines jeden Lebewesens aus dieser Sichtweise lediglich als Vehikel der Gene zu sehen.

Im Laufe der Zeit hätten sich diese Genvehikel immer besser an die Bedingungen des Überlebens angepasst und in einem Fall sogar eine Vernunft entwickelt. Diese erlaubt es dem Menschen, zu planen, zu reflektieren, etc. Um das eigene Überleben besser sichern zu können, sei so auch die Religion erfunden worden, weil sich dadurch andere Vehikel kontrollieren und unterdrücken ließen. Doch nun, da sich diese Vernunft immer weiter entwickelt habe, sei sie nun imstande, den Egoismus der Gene zu überwinden. Und darin besteht nun für Dawkins die Erlösung. Der Mensch kann seiner Vernunft gemäß die Herrschaft der Gene und der Meme überwinden.

Was insgesamt aber nicht zu überzeugen vermag, denn wenn wir den Maßstab, den Dawkins an den Glauben anlegt, auch bei seinem Evangelium anlegen, so zeigt sich die Schwäche seines Ansatzes. Letztlich sind dann auch die Vernunft und das Dawkinsche Evangelium nichts anderes als Meme, die im Laufe der Zeit mehr oder weniger zufällig entstanden sind. Es gibt keine letzte Begründung dafür; wer daran glauben will, mag daran glauben. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass der Mensch sich selbst erlösen kann; was auch immer man als Begründung dafür annimmt. Wenn die Gene und Meme letztgültige Herrschaft über alle Lebewesen ausüben, so könnte man höchstens sagen, dass die Vernunft eine Illusion sei, die von den Genen hervorgerufen werde. Damit bleibt der Mensch jedoch in dieser Illusion gefangen und es gibt keinen Ausweg. Auch hier zeigt sich, dass der Mensch die Erlösung von außen braucht; er braucht einen Erlöser, der ihn aus seiner Selbstbezogenheit rettet.


Montag, 30. März 2015

Die Bibel lesen – ja, aber wie?

Wenn wir Gott beim Wort nehmen wollen, so ist es wichtig, dass wir dieses Sein Wort auch gut kennen. Deshalb möchte ich das Thema Bibellesen ansprechen und dabei einige gute Tipps dazu geben.

Häufig hört man die Frage nach der richtigen Übersetzung. Es ist bei der Bibel wie bei jedem anderen Text so, dass man dasselbe auf verschiedene Arten übersetzen kann. Und bei jeder Übersetzung gibt es gewisse Schwierigkeiten: Wie genau soll sie sich an den Wortlaut halten? Wie frei darf sie sein? Mein Dozent für Bibelgriechisch sagte dazu immer: So genau wie möglich, so frei wie nötig. Das ist ein guter Grundsatz, aber auch er enthält wieder einen subjektiven Spielraum. Ich denke der wichtigste Grundsatz sollte der sein: Eine gelesene Bibel ist immer besser als eine, die verstaubt.

Häufig ist es noch besser, wenn man mehrere Übersetzungen verwendet. Seit meiner Zeit als Teenie habe ich mir angewöhnt, die Bibel jedes Jahr von vorne nach hinten zu lesen. Dabei habe ich etwa alle zwei Jahre die Übersetzung gewechselt. Zuerst eine Hoffnung für Alle, dann eine Luther1984, dann die Neue Elberfelder, dann kamen auch noch die hebräischen und griechischen Ausgaben der Bibel dazu, und seit mehreren Jahren bin ich jetzt bei der Schlachter2000 gelandet. Es macht Sinn, zuerst mit einer einfachen und damit nicht so ganz genauen Übersetzung anzufangen. So kann man das Niveau steigern und sich langsam an die wörtlicheren herantasten. Ebenfalls kann ich für den Einstieg die Gute Nachricht oder die Neue evangelistische Übersetzung empfehlen.

Wichtig ist, dass wir einen Termin haben, um die Bibel zu lesen. Eine feste Uhrzeit, bei mir ist das am besten am frühen Morgen gleich nach dem Aufwachen. Dann habe ich eine ganz wichtige Audienz beim König der Könige. Natürlich kann ich auch den ganzen Tag noch mit was anderem kommen, aber dieser eine Termin, der ist fix. Da darf mir nichts anderes dazwischen kommen, weil es nichts Wichtigeres gibt. Meine Erfahrung ist, dass es ohne einen solchen Termin einfach ständig hinausgeschoben wird und am Ende im Nirvana versandet. Aber wenn ich fähig sein soll, einen ganzen Tag in dieser Welt zu überstehen, dann brauche ich meine Supernahrung, meinen Zaubertrank. Es fängt also mit der Planung an. Ohne Planung geht es nicht.

Und dann kommt noch die Frage, wie man liest. Ich persönlich lese gern nach Plan. Dann muss ich mich nicht erst mit der Frage herumplagen „was ist denn heute dran“, sondern ich weiß einfach, dass genau das dran ist, was laut Plan eben heute dran ist. Bis Ende 2013 habe ich so jedes Jahr mit einem Jahresplan gelesen. Wenn man jeden Tag 3 – 4 Kapitel liest, so ist man in einem Jahr durch. Das ist eine sehr wertvolle Erfahrung. So lässt sich auch leichter zusehen, dass man eben alles liest und nicht nur ständig wieder dieselben Rosinen herauspickt. Hier gibt es eine ganze Auswahl von verschiedenen Bibelleseplänen. Seit dem letzten Sommer habe ich etwas Neues versucht: Jedes Buch der Bibel 20x am Stück lesen. Hier habe ich mehr dazu geschrieben.

Wir tun gut daran, das Lesen mit Gebet zu beginnen. Da bitten wir Gott darum, unser Herz für das vorzubereiten, was wir lesen werden. Wir tun es auch deshalb, weil wir wissen, dass Derselbe, welcher der eigentliche Hauptautor der Bibel ist, uns die Augen für den Inhalt öffnen kann. Genial ist: Der Inhalt der Bibel ist so tief, dass wir auch nach dem zweihundertsten Mal Lesen noch immer Neues entdecken können. Das ermutigt mich immer wieder, weiterzumachen und noch tiefer zu graben.

Mit dem Lesen ist es aber nicht vorbei. Gottes Wort will nicht nur gelesen werden, Gott will unsere Antwort auf das Gelesene. Er spricht zu uns ganz persönlich – mit jedem einzelnen Vers, den wir in Seinem Wort lesen. Wir dürfen über das Gelesene nachdenken und es für uns ganz persönlich nehmen. Ideal ist, wenn wir Gottes Wort Fragen stellen:

-Wer hat das gesagt?
-Zu wem hat er es gesagt?
-Was ist sein Ziel mit den Worten?
-Warum sagt er es genau so und nicht etwa ganz anders?
-Wie passt die Stelle, die ich grad lese, in das Kapitel und das Kapitel ins ganze Buch?

Nach diesen grundlegenden Fragen kommen im zweiten Schritt persönliche Fragen:
-Welche Situation kenne ich, die mit der gelesenen Stelle vergleichbar wäre?
-Wie hätte ich an der Stelle der Person gehandelt?
-Was wäre der richtige – von Gott gewollte – Umgang mit der Situation gewesen?
-Was kann ich machen, um mich bei der nächsten vergleichbaren Situation an das Gelesene zu erinnern?

Wenn wir den ersten Schritt überspringen und sofort nur nach der persönlichen Bedeutung fragen, dann haben wir ein Problem, nämlich dasjenige, dass wir ganz an Gott vorbei gehen. Zuerst müssen wir wissen, was damals passiert ist und in welcher Zeit es geschah, und erst dann können wir danach fragen, was Gottes Wort für unser Leben zu sagen hat.

Und auch damit ist der Prozess von Gottes Wort noch nicht abgeschlossen. Wir haben jetzt zwar verstanden, worum es geht, aber jetzt wird es richtig praktisch. Jetzt geht es nämlich darum, ein neues Verhalten zu lernen. Wir haben gesehen, in welcher Situation wir wie handeln sollten. Wir haben aber auch gesehen, dass wir häufig an dem vorbeileben, wie es eigentlich sein sollte. Jetzt kommt aber noch was ins Spiel. Jetzt bin ich nämlich mit meiner Sündhaftigkeit konfrontiert. Ich tue Dinge, die Gott nicht gefallen. Ich sündige. Ich brauche Vergebung. Ich bekenne Gott meine Sünden, und deshalb darf ich wissen, dass sie mir vergeben sind. Wo Gottes Wort zu uns spricht, da spricht es uns immer zuerst schuldig. Nicht nur einmal im Jahr. Nicht nur, wenn ein Evangelist predigt. Sondern immer, wenn wir es lesen. Es spricht uns schuldig. Es verlangt, dass wir Buße tun. Dass wir unsere Sünden bekennen:
Und das ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen, daß Gott Licht ist und in ihm gar keine Finsternis ist. Wenn wir sagen, daß wir Gemeinschaft mit ihm haben, und doch in der Finsternis wandeln, so lügen wir und tun nicht die Wahrheit; wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. Wenn wir sagen, daß wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, daß er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. (1. Johannes 1, 5 - 9)

Wenn wir das tun, so dürfen wir wissen: Er hat nicht mit uns gehandelt nach unseren Sünden und uns nicht vergolten nach unseren Missetaten. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so groß ist seine Gnade über denen, die ihn fürchten; so fern der Osten ist vom Westen, hat er unsere Übertretungen von uns entfernt. (Psalm 103, 10 - 12)

So können wir Gottes Wort lesen, uns selbst dabei besser kennenlernen und uns jeden Tag neu das wunderbare Evangelium von Jesus Christus predigen. Und Stück für Stück werden wir sehen, dass wir durch Gottes Gnade verändert werden. Wir werden feststellen, dass es nicht nötig ist, Gottes Wort als Moralin zu nehmen. Gottes Wort ist nicht dazu da, um das Gute, was in uns ist, zu verbessern und zu veredeln. Vom Guten ist nämlich nichts da. Es gibt nichts, was veredelt werden kann. Es kann nur die Sünde ausgerissen, ausgerottet, verbannt, weggeworfen werden. Deshalb dürfen wir jeden Tag Gottes Wort nehmen, lesen, betend darüber nachdenken, uns selbst das Evangelium predigen und uns durch Gottes gnädiges Handeln an uns verändern lassen.

Samstag, 10. Januar 2015

Göttliche Offenbarung – Die Frage nach der letzten Autorität

Unsere Welt befindet sich heute in einer dunklen Nacht auf einem riesigen Marktplatz. Überall sind Menschen zu sehen, die eine Laterne mit sich herumtragen, doch alle sind dunkel. Diese rufen alle: Kommt zu mir! Ich habe es kapiert! Ich werde euch helfen! Jeder von diesen versucht, der Lauteste zu sein, denn je lauter einer ist, desto mehr Menschen werden ihn hören und versuchen, zu ihm zu kommen. Dabei stoßen sie immer wieder aneinander und fallen zu Boden. Sie streiten sich, rappeln sich wieder auf und laufen weiter, bis sie vom Nächsten zu Boden gestoßen werden.

In diese Situation hinein, auf diesen „Jahrmarkt der Eitelkeiten“, hat Jesus Christus Seine Gemeinde gestellt und gesagt: Ihr seid das Licht der Welt! Er hat uns Sich Selbst gegeben und gesagt: Ich bin das Licht der Welt. Und wir können das Licht der Welt sein, weil Er durch Seinen Heiligen Geist bei uns ist. Und das Licht, das Er uns gegeben hat, ist Sein Wort, die Bibel. Sie dient dazu, dass wir Menschen sehen können. Aber leider wollen viele Menschen nicht sehen, denn wenn sie sehen müssen, so können sie sich selbst erkennen – und was sie da sehen, gefällt ihnen nicht: Ehebruch, Unzucht, Unreinheit, Zügellosigkeit; Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Streit, Eifersucht, Zorn, Selbstsucht, Zwietracht, Parteiungen; Neid, Mord, Trunkenheit, Gelage und dergleichen (Galater 5,19-21) So wollen viele Menschen lieber im Dunkeln bleiben. Auch das hat uns Jesus Christus gesagt: Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern damit die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes geglaubt hat. Darin aber besteht das Gericht, daß das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Werke waren böse. (Johannes 3, 17-19)

Jetzt hat die Gemeinde Jesu Christi zwei verschiedene Möglichkeiten, wie sie auf dieses Problem reagieren kann. Entweder sie hält ihr Licht hoch und nimmt in Kauf, dass sie von vielen Menschen verspottet, gekränkt und verlassen wird, aber dass eine kleine Zahl von Menschen sich zum Licht hingezogen fühlt, ihre Herzen von Gott geöffnet wurden und sie eine echte Veränderung in ihrem Leben möchten. Oder sie kann ihr Licht auslöschen und in den allgemeinen Wettbewerb um das lauteste Geschrei einstimmen. Wo die Gemeinde Jesu Christi den Anspruch, den Jesus Christus erhebt, verleugnet und die biblische Lehre von der absoluten Glaubwürdigkeit und Fehlerlosigkeit der Bibel aufgibt, hat sie ihr Licht ausgelöscht und den Menschen in der Dunkelheit nicht mehr zu sagen als alle anderen Marktschreier auch.

Zur Zeit Jesu gab es eine ähnliche Situation: Eine ganze Gruppe von Schriftgelehrten und Rabbinern hat dem übrigen jüdischen Volk die damalige Bibel, das Alte Testament, erklärt und ausgelegt. Weil es immer wieder Fragen dazu gab, wie man all diese 613 Gebote und Verbote halten kann, hat man neue Regeln zur Textauslegung gemacht: Um jedes Gebot herum wurde ein „Zaun“ aus anderen Geboten gemacht, um das Volk davor zu schützen, dem Gebot selbst zu nahe zu kommen. Es wurde zum Beispiel festgelegt, wie weit man am Sabbat gehen durfte, ohne dass dies als Ausübung eines Berufs gerechnet werden konnte. Und so weiter. Und dann kam Jesus und hielt die Bergpredigt. In einem Teil davon ging er auf verschiedene dieser menschengemachten Gebote ein, zitierte sie und setzte dann diesem Menschengebot das richtige, biblische Gebot, gegenüber. So sagte Er immer wieder: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt wurde … (Menschengebot) … Ich aber sage euch … (Gottes Gebot). Das ist heute häufig nicht viel anders. Nur sind es heute oft keine Rabbis mehr, sondern andere „Schriftgelehrte“.

Sie präsentieren einen Gott, welcher den Menschen gefällt. Einen Gott, der sich Liebe nennt, aber in Wirklichkeit einfach nur allem gleichgültig zuschaut. Einen Gott, der nicht alles weiß, sondern darauf verzichtet, alles zu wissen, weil wir ja sonst – so wird dann gern behauptet – gar keinen freien Willen mehr hätten. Einen Gott, dessen Wort Fehler enthält und das man deshalb zuerst mit dem Menschenverstand prüfen müsse. Einen Gott, der zu schwach ist, dafür zu sorgen, dass wir sein Wort ohne Fehler in den Händen halten und verstehen können. Einen Gott, dessen Wort in jeder Generation etwas ganz anderes bedeuten kann – und manchmal auch das Gegenteil von früher. Einen Gott, den man nicht verstehen kann, sondern ihm immer nur im Gespräch mit anderen zusammen näher kommen.

So ist es ganz wichtig, dass wir immer wieder unsere Haltung zu Gottes Wort prüfen. Wo wir es für fehlerhaft halten oder es nur als eine von mehreren Quellen der Wahrheit halten, sind wir auf einem gefährlichen Kurs. Dass es noch weitere Hinweise auf Gott gibt, ist klar. Aber wer diesen Gott kennenlernen möchte, wird nicht um die Bibel herum kommen. Dass es Gott gibt, kann jeder Mensch auch durch zwei Quellen der sogenannt „natürlichen Offenbarung“ erkennen: Durch alles, was Gott geschaffen hat und durch sein Gewissen. Doch um den Charakter und den Willen des einen lebendigen Gottes zu kennen, braucht es die „spezielle Offenbarung“. Diese finden wir in Gottes Wort, der Bibel von 1. Mose 1,1 – Offenbarung 22,21. Da haben wir Wort für Wort und Buchstabe für Buchstabe das irrtumslose und unfehlbare Wort Gottes.

Jemand, dem Jesus Christus eh schon egal ist, wird nicht auf Gottes Wort hören. Aber für jeden, der sich Christ nennt oder sich als Nachfolger Jesu Christi sieht, ist diese Sache von unendlich großer Wichtigkeit: Gottes Wort ist die Wahrheit (vgl. Johannes 17,17). Und damit ist jeder Unglaube an Gottes Wort auch Unglaube gegenüber Gott und Ungehorsam gegen Gottes Wort ist somit auch Ungehorsam gegen Gott. Für jeden Christen ist somit Gottes Wort die letztgültige Autorität im Leben und wer diese Autorität untergräbt, macht sich mitverantwortlich, anderen Menschen die Türe zu Gott zu verschließen.

Die Bibel ist zwar nicht zwingend notwendig, damit der Mensch wissen kann, dass Gott existiert und alles (inklusive uns Menschen) geschaffen hat, aber sie ist absolut notwendig, wenn wir mehr über diesen Gott und über den Sinn der geschaffenen Welt (inklusive uns) wissen wollen. Der oben genannte Marktplatz ist voll von Menschen, die nicht wissen, wozu sie leben. Sie müssen sich ständig selbst erfinden oder versuchen, die Frage nach dem Sinn zu verdrängen. So ist die Menschheit gefangen in einer besessenen Suche nach dem Sinn oder in einer besessenen Suche nach der Verdrängung dieser Frage. Erst durch Gottes Wort kann diese Suche ein Ende finden: Wo Menschen ihre Bedürftigkeit der Erlösung von ihrer persönlichen Schuld durch die Sünde einsehen und sich an Gott als ihrem Erlöser zuwenden. So sind wir auf diesen Marktplatz gestellt mit dem Befehl Jesu Christi:

Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker, und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an das Ende der Weltzeit! Amen. (Matthäus 28,18-20)

Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und getauft wird, der wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, der wird verdammt werden. Diese Zeichen aber werden die begleiten, die gläubig geworden sind: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, sie werden in neuen Sprachen reden, Schlangen werden sie aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nichts schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden. (Markus 16,15-18)

So steht es geschrieben, und so mußte der Christus leiden und am dritten Tag aus den Toten auferstehen, und in seinem Namen soll Buße und Vergebung der Sünden verkündigt werden unter allen Völkern, beginnend in Jerusalem. Ihr aber seid Zeugen hiervon! (Lukas 24,46-48)