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Dienstag, 17. Januar 2017

Richard Dawkins und das Argument gegen Gott

Im letzten Teil haben wir gesehen, dass Dawkins versucht, sich mit den Gottesbeweisen zu befassen, aber auch, dass es bei ihm beim Versuch bleibt. Im vierten Kapitel präsentiert er sein Argument gegen Gott – und wir werden sehen: Wenn dies das beste Argument gegen Gott sein soll, so müsste es schon lange eine riesige weltweite Erweckung gegeben haben. Am Ende des vierten Kapitel fasst Dawkins sein Argument folgendermaßen zusammen (ich habe es um der Lesbarkeit willen ein wenig gekürzt, ohne jedoch den Wortlaut zu ändern und ohne etwas für das Argument Wichtiges wegzulassen):

1. Eine der größten Herausforderungen für den menschlichen Geist war über viele Jahrhunderte hinweg die Frage, wie im Universum der komplexe, unwahrscheinliche Anschein von gezielter Gestaltung entstehen konnte.

2. Es ist eine natürliche Versuchung, den Anschein von Gestaltung auf tatsächliche Gestaltung zurückzuführen.

3. Diese Versuchung führt in die Irre, denn die Gestalterhypothese wirft sofort die umfassendere Frage auf, wer den Gestalter gestaltet hat. […] Wir brauchen keinen „Himmelshaken“, sondern eine „Kran-Konstruktion“, denn nur der Kran kann die Aufgabe erfüllen, von etwas Einfachem auszugehen und dann allmählich und auf plausible Weise eine ansonsten unwahrscheinliche Komplexität aufzubauen.

4. Der genialste und leistungsfähigste „Kran“, den man bisher entdeckt hat, ist die darwinistische Evolution durch natürliche Selektion.

5. Einen entsprechenden „Kran“ für die Physik kennen wir nicht.

6. Wir sollten die Hoffnung nicht aufgeben, dass auch in der Physik noch ein besserer „Kran“ gefunden wird, der ebenso leistungsfähig ist wie der Darwinismus in der Biologie.

Schlussfolgerung: „Wenn man die Argumentation dieses Kapitels anerkennt, ist die Grundvoraussetzung der Religion – die Gotteshypothese – nicht mehr haltbar. Gott existiert mit ziemlicher Sicherheit nicht.“
(Zitate aus „Gotteswahn“, S. 265 – 266)

Fragen wir uns zunächst: Was macht ein gutes Argument aus? Ein Argument besteht aus mindestens zwei Prämissen, die zu einer Schlussfolgerung führen, die sich zwingend aus diesen ergibt. Bei einem korrekten Argument muss man dann nicht mehr den Schluss prüfen, sondern lediglich die Prämissen. Wenn diese korrekt sind, muss es der Schluss auch sein. Ein Beispiel für ein solches Argument:

P1. Alle Menschen sind sterblich.
P2. Ich bin ein Mensch.
S: Somit bin ich sterblich.

Wie sieht es bei der Schlussfolgerung von Dawkins aus? Ergibt sich der Schluss – nämlich dass Gott mit „ziemlicher Sicherheit“ nicht existiert – aus den Prämissen? Mal anders gefragt: Wenn alle Prämissen wahr wären, wäre dann die Schlussfolgerung zwingend notwendig? Nein – denn selbst wenn es einen „Kran“ für die Physik gäbe und selbst wenn es auf die Frage, woher der Gestalter kommt, keine Antwort gäbe, und so weiter, so würde das alles trotzdem nicht gegen die Existenz Gottes sprechen. Selbst wenn das gesamte Universum nicht nach Design aussehen würde, wäre das kein Argument gegen Gott. Man sieht also, dass Dawkins seine Schlussfolgerung sehr an den Haaren herbeigezogen hat. Es handelt sich somit um ein ungültiges Argument.

Dann können wir uns auch noch die Prämissen ansehen:

In Prämisse 1 behauptet Dawkins, es sei eine Herausforderung gewesen, herauszufinden, warum im Universum so viel nach gezielter Gestaltung aussehen würde. Daran ist eine ganze Menge falsch. In der Wissenschaft gibt es ein wichtiges Prinzip, das uns hilft, unter verschiedenen Theorien die wahrscheinlichste zu finden. Das ist das Prinzip der Einfachheit. Wenn ich unterschiedliche Theorien habe, die alle dasselbe erklären, dann suche ich jene aus, die am wenigsten verschiedene Einheiten, Teile, oder Variablen hat. Dasselbe macht man in der Mathematik auch: Den Ausdruck 25/5 (fünfundzwanzig Fünftel) schreibt man in der einfachsten Form auf, nämlich 5. Oder 5/25 schreibt man als 1/5. In unserem Fall wäre die einfachste Theorie: Wenn das ganze Universum so sehr nach Gestaltung aussieht, dann haben wir sehr gute Gründe, anzunehmen, dass es auch gestaltet ist. Und dann müssen schon extrem starke Gründe dagegen aufkommen. Wörter sind ja auch nichts anderes als Töne. Töne könnten schon rein zufällig entstehen, aber wenn ich irgendwo den genauen Wortlaut von Schillers „Glocke“ höre, dann ist das ein guter Grund zur Annahme, dass es einen Rezitierer oder Vorleser gibt. Prämisse 2 ist damit auch widerlegt.

In Prämisse 3 stellt Dawkins die Behauptung auf, dass ein Gestalter zwangsläufig die Frage aufstelle, wer den Gestalter geschaffen habe. Dasselbe kann man auch bei Schillers „Glocke“ fragen: Wer hat denn den Autor, nämlich Friedrich Schiller, geschaffen? Dawkins würde natürlich auf die Vorgänge von Mutation und Selektion verweisen, was wiederum die Frage aufwirft, wer denn diese Vorgänge geschaffen habe. Um nun diese Frage zu beantworten, muss Dawkins auf die Physik Bezug nehmen, welche laut Prämisse 5 keine Erklärung hat. Letztendlich bleibt es also eine Sache des Glaubens, auf welche Herkunft man schlussendlich vertraut. Der „Kran“ von Dawkins entpuppt sich also mindestens ebenso sehr als ein „Siemens Lufthaken“.

Prämisse 4 ist nicht ganz schlecht, hat aber durchaus auch so ihre Löcher. Dawkins meint, dass der Darwinismus alles erklären könne. Nun gibt es zwar einige interessante Modelle, die manche Veränderungen erläutern können. Dennoch gibt es eine ganze Reihe von Anfragen an diese Modelle, weil sie eben genau das sind: Modelle. In der Schule lernt man in wunderbarer Regelmäßigkeit das Atommodell, obwohl seit zig Jahrzehnten klar ist, wie falsch dieses Modell ist. Für einen Schüler erklärt das Modell gut und einfach, wie die Stoffe aufgebaut sind. Dennoch sind es lediglich Modelle, die einzelne Aspekte korrekt und viele andere inkorrekt wiedergeben.

Prämisse 5 zerstört im Grunde genommen das gesamte Argument von Dawkins; sie ist nämlich korrekt. Eine einzige falsche Prämisse reicht in einem korrekten Argument aus, um das gesamte Argument zu entkräften.

Prämisse 6 ist keine Prämisse im strengen Sinn – es ist der Ausdruck einer Hoffnung. Der Autor des Buches hofft, dass es eines Tages eine Erklärung für die Entstehung der Physik geben würde. Es gibt eine – nur ist Dawkins leider zu verblendet, um diese anerkennen zu können. Mit der einfachsten aller Erklärungen und jener, welche die Realität am besten abbildet, könnte sich Dawkins zufriedengeben. Doch nichts da, lieber alles abstreiten und am Ende hoffen, dass es irgendwann noch eine Erklärung gibt.

Dawkins ist dem "Atheismus-Wahn" verfallen. In diesem Zustand lässt man keine guten Argumente gelten, sondern lehnt alle ab, die von einem Gestalter ausgehen. Nicht aus einem guten Grund, sondern einfach weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Er ist zum Missionar für einen aggressiven Atheismus geworden, der versucht, alles andere platt zu walzen. Dawkins fehlt nicht nur das theologische und philosophische Wissen, um sich mit den Themen seines Buches auseinanderzusetzen, sondern auch die Argumente. Wenn es nur um diese Argumente gingen, also wenn Dawkins mit diesem Buch die besten Argumente für den Atheismus präsentieren würde, dann müsste es schon längst weltweit einen riesigen Aufbruch von Atheisten zum Theismus geben. Dawkins ist ein exzellenter Biologe und sehr begabt darin, mit viel Phantasie komplexe Thesen einfach zu erklären, aber hier überschreitet er seine Kompetenzen bei weitem. Schuster, bleib bei deinen Leisten!

Die Blindheit in dieser atheistischen Blase hat einen anderen Grund als Argumente. Sie stammt zumeist aus der Biographie. Menschen, die enttäuscht oder verletzt wurden von anderen Menschen, die an Gott glauben, sind leichter dafür anfällig, sich zum Atheismus zu bekehren und in diesem das Heil zu suchen. Es braucht viel Gebet für diese Menschen, damit sie wieder offener werden für die zahlreichen guten Gründe, die dafür sprechen, dem Herrn Jesus ernsthaft nachzufolgen.


Dienstag, 30. Dezember 2014

Was ist Glaube überhaupt?

Heute möchte ich versuchen, eine kurze Einführung in die Fragestellungen dieses Blogs zu geben. Hauptsächlich geht es mir zunächst um zwei Fragen:

1. Warum ist es so wichtig, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen und ihn zu verstehen?

2. Was bedeutet es überhaupt, einen Glauben zu haben?

Wer dies noch nicht getan hat, könnte vielleicht zunächst noch meine Einleitung zum Blog lesen. Das wird hilfreich sein, um meine weiteren Ausführungen zu verstehen, besonders dann, wenn man mit den Fragen noch nicht so vertraut ist.

Heute also zwei neue Fragen:

1. Warum ist es so wichtig, sich mit dem Glauben auseinanderzusetzen und ihn zu verstehen?
Ich habe den Entschluss gefasst, dieses Projekt zu starten, weil ich gesehen habe, dass es einerseits immer mehr junge Menschen gibt, die große Mühe haben, über ihren Glauben zu reden, also in Worte zu fassen, was ihren Glauben ausmacht. Andererseits habe ich eine aggressive Bewegung von Atheisten gesehen, die versuchen, Menschen aller Glaubensrichtungen aus ihrem Glauben herauszuargumentieren. Und das oftmals mit Erfolg.

Eine Bewegung darin ist der sogenannte „Neue Atheismus“, zu dem ich hier (Link) eine kurze Einführung geschrieben habe. Aus diesem neuen Atheismus heraus ist wieder eine neue Bewegung entstanden, die sich „Street Epistemologists“ nennen. Das ist eine Art atheistische Evangelisationsbewegung, die auf die Straßen geht und ganz aktiv versucht, Menschen vom Atheismus zu überzeugen. Wer sich mal ein Beispiel mit atheistischen Erklärungen dazu ansehen möchte, kann dies hier tun (ein englisches Video mit zuschaltbaren deutschen Untertiteln).

Und für diese atheistischen Missionare hat der Philosoph Peter Boghossian ein Buch geschrieben: A Manual for Creating Atheists (eine Anleitung, wie man Atheisten macht). Das Buch gibt es bisher erst auf Englisch (es ist ja auch erst ein Jahr alt), aber ich denke es wird nicht mehr allzu lange dauern, bis sich diese Bewegung auch in der deutschsprachigen Welt ausbreiten wird. Wir tun gut daran, vorbereitet zu sein.

Wichtiger noch als nur unseren Glauben verteidigen zu können, ist es, dass wir ihn auch ganz positiv erklären können. Es gibt nämlich eine Vielzahl extrem guter Gründe, weshalb man an den Gott der Bibel glauben kann. Vernünftige Gründe, die überzeugend sind. Und auch darum soll es hier gehen. Ich bin gespannt, was sich hier noch tun wird und freue mich auf jedes Mitlesen, Kommentieren, Diskutieren, Fragen, und Antworten.


2. Was bedeutet es überhaupt, einen Glauben zu haben?
Eine erste Schwierigkeit entsteht schon daraus, dass viele Leute sich unsicher sind, was es genau bedeutet, einen Glauben zu haben. Es ist eine Spezialität von Atheisten, dass sie das Wort „glauben“ auf eine völlig unzuläßige Art definieren, zum Beispiel mit der Definition:

Glaube ist ungleich Wissen

oder

Glaube ist eine Überzeugung ohne Beweis

und so weiter.

Das sind alles Definitionen, die nichts mit dem eigentlichen Inhalt des Wortes Glauben zu tun haben. Wenn nun ein Atheist das Wort so definiert hat, kann er damit einen riesigen Strohmann bauen. Als Strohmann bezeichnet man eine Art von Argument, in welchem dem Gegner eine bestimmte Position (Sichtweise) in den Mund gelegt wird, die so nicht stimmt. Und dann meint man, dass man den Gegner widerlegt hat, indem man den Strohmann, also lediglich die unzutreffende Position, widerlegt hat.

Ich würde Glauben ungefähr so definieren:

Glaube ist ein Vertrauen in bestimmte Dinge oder Personen.

Ich kann am Nachmittag die Wolken beobachten und dann meiner Interpretation des Wetters vertrauen, dass es abends keinen Regen gibt, dann glaube ich meiner Interpretation und lasse den Regenschirm zu Hause. Aber diese Entscheidung ist nicht einfach ohne Beweise oder ohne Wissen erfolgt; vielmehr sind der Entscheidung einige Hinweise vorausgegangen, die auf ein bestimmtes Verhalten des Wetters schließen ließen.

So ähnlich ist es auch mit dem Glauben an den Gott der Bibel. Ich vertraue Ihm, weil ich viele gute Gründe habe, dies zu tun: Weil Er mir persönlich begegnet ist. Weil ich Sein Eingreifen, Sein Zuhören, Sein Reden schon unzählige Male erlebt habe. Weil Sein Wort in sich geschlossen logisch ist und weil es die einzige tatsächlich schlüssige und sinnvolle Erklärung der gesamten Realität bietet.

Letzten Endes ist somit auch das Vertrauen in die Naturgesetze – etwa die Schwerkraft – eine Art von Glauben. Wir legen ein Buch auf den Stapel, weil wir der Schwerkraft vertrauen, dass das Buch nicht plötzlich davonfliegt. Der Atheist ist somit nicht jemand, der keinen Glauben hat, sondern vielmehr ein Mensch, der einfach an andere Dinge glaubt. Zum Beispiel an die Zuverlässigkeit der Evolutionstheorie. Oder an die Erklärbarkeit aller Dinge ohne einen persönlichen Schöpfer. Und so weiter. Auch das sind Glaubensinhalte, und auch diese wollen durchdacht werden.

Allerdings muss ich doch sagen, dass derjenige, der an einen persönlichen Schöpfer glaubt, durchaus mehr Grund hat, den Naturgesetzen zu vertrauen, denn er weiß, dass sie vom persönlichen Schöpfer gemacht wurden und durch Ihn auch erhalten bleiben. Aus diesem Grund waren die ersten Wissenschaftler auch Menschen, die an den persönlichen Schöpfer glaubten: Nur sie konnten davon ausgehen, dass sie fähig waren, hinter diese Naturgesetze zu blicken und damit ihren Schöpfer besser kennenzulernen. So lobt der König David unseren wunderbaren Gott:

Herr, unser Herrscher! Groß ist dein Ruhm auf der ganzen Erde! Deine Hoheit reicht höher als der Himmel. Aus dem Lobpreis der Schwachen und Hilflosen baust du eine Mauer, an der deine Widersacher und Feinde zu Fall kommen. Ich bestaune den Himmel, das Werk deiner Hände, den Mond und alle die Sterne, die du geschaffen hast: Wie klein ist da der Mensch, wie gering und unbedeutend! Und doch gibst du dich mit ihm ab und kümmerst dich um ihn! Ja, du hast ihm Macht und Würde verliehen; es fehlt nicht viel und er wäre wie du. Du hast ihn zum Herrscher gemacht über deine Geschöpfe, alles hast du ihm unterstellt: die Schafe, Ziegen und Rinder, die Wildtiere in Feld und Wald, die Vögel in der Luft und die Fische im Wasser, die kleinen und die großen, alles, was die Meere durchzieht. Herr, unser Herrscher, groß ist dein Ruhm auf der ganzen Erde! (Psalm 8, 2 - 10)